Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Sozial vereinsamt am Arsch

Wir ins-Internet-Schreiber sind ja bekanntermaßen vereinsamte Sozialkrüppel, die nur ständig in Foren, Chats und Netzwerken rumhängen, weil wir sonst nur an die Wand starren oder uns ob unserer Einsamkeit betrinken könnten.

Von wegen.

Als ich irgendwann im Frühjahr einer Freundin zusagte, ich würde sie tontechnisch und auch sonst bei ihrer Inszenierung von Borcherts »Draußen vor der Tür« unterstützen, da war der November noch sehr weit weg. Und im November hat man ja eh nie was vor, da war die Aussicht, ein, zwei Wochenenden im Theater zu verbringen eh verlockend.

Abgesehen davon, dass ich mich vielleicht vorher darüber hätte informieren können, dass das Stück drei Stunden dauert und ich selbst bei einer multimedialen Inszenierung davon den größten Teil nur möglichst still hinter meinem Technikpult sitze würde …
… abgesehen davon, dass so ein Mammutstück natürlich auch Mammutproben von vier bis fünf Stunden jeden Abend mit sich bringt …
… abgesehen davon dass sich das »und auch sonst« zu einem all-inclusive Job zwischen Mannschaftsbetüddelung und Bühnenschrauberei entwickelt hat …

… abgesehen von all diesem geschieht diesen November auch noch folgendes:

  • S. feiert Geburtstag. (Wochenende vier)
  • S. beendet Ihre Fortbildung.
  • S. feiert das Ende ihrer Fortbildung. (Wochenende drei)
  • Die Patenichte wird eins. (Wochenende eins)
  • Die liebste älteste Freundin hat mich eingeladen. (Wochenende drei)
  • Die Hamburger lesen mal wieder was. (Einen Tag vor Wochenende drei. Frau Bogdan, Frau Kink, Herr Buddenbohm, es hätte mich sehr gefreut)
  • Da lädt wer zu einem Essen ein, zu dem quer aus ganz Deutschland ein paar Menschen kommen, die ich wirklich gerne mal (wieder) getroffen hätte. (Wochenende drei. Frau Lu, Herr M., Frau Gröner, Frau Kaltmamsell, es hätte mich sehr gefreut)
  • Da hat mich wer noch einmal extra zu eben diesem Essen eingeladen. (Frau Hammwanich, es hätte mich …)
  • Und gerade kam eine Einladung zu einer Geburstags-Einzugs-Party. Per Post! Mt einer Briefmarke und meinem Namen drauf! (Wochenende vier. Es hätte mich sehr gefreut.)

Man muss kein Mathe-Genie sein um festzustellen: Da passt was nicht. Ich komm mit dem Absagen schon gar nicht mehr nach und ärger mich, ärger mich, ärger mich. So ein bisschen vereinsamter wäre manchmal gar nicht schlecht.

By the way: 85% der oben aufgeführten Ereignisse fänden nicht statt, wenn ich die dazugehörigen Menschen nicht im Internet kennen gelernt hätte. Nur so fürs Protokoll.

Nachtrag am 6.11.: Hurra. Eine Partyeinladung fürs dritte Wochenende.

8 Antworten zu “Sozial vereinsamt am Arsch”

  1. Dentaku sagt:

    … und wenn die dazugehörigen Menschen sich in vielen Fällen nicht auch gegenseitig im Internet kennengelernt hätten.

    (aber wir „vereinsamen hier ja alle vor unseren flimmernde Bildschirmen“…)

  2. Christian sagt:

    äh, genau. fast alle, soweit ich das überblicken kann.

  3. Luca sagt:

    Halt dir im Dezember einen Abend oder Tag frei. Bin ab Mitte wieder da oben und würde mich freuen dir Zeit zu klauen. Alles weitere klären wir noch.

    Kaltes Internet, das.

  4. Christian sagt:

    jawohl Sir! :) gerne Sir!

  5. Wir hätten uns auch gefreut. Eh klar.

  6. vera sagt:

    Hach.

    Nun kannst Du, statt mit den Anderen gemütlich und lecker essen gehen zu müssen, wenigstens die gewohnte kalte Pizza während der Proben in Gesellschaft verputzen. Für so was ist man doch schon dankbar, so als Internetvollschreiber.

  7. Kiki sagt:

    Aha. Wie’s aussieht, werden wir dann den Hamburger TwitJam™ erst 2011 machen können, wie? Auch gut – bis dahin habe ich dann auch meine surfgrüne Danelectro. :)

  8. Christian sagt:

    naja, auf jeden Fall nicht wirklich gut im November :)
    TwitJam. Schönes Wort.

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