Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Still crazy after all these years

Hat hier irgendjemand den Musikunterricht gemocht? Tritt ruhig vor, keiner haut Dich, ich wollte nur mal so jemanden sehen.
Ich kenne nämlich sonst niemanden, der gerne Musikunterricht gehabt hätte. Ok, die Stunden waren nicht so schlimm wie die, als in Latein die Konjugation von ire abgefragt wurde oder die, als in Chemie der Lehrer begeistert in das Atomschichtenmodell vordrang, ohne dass jemand mitkam.
Aber halt dauerhaft langweilig.

Wir hatten dazu noch eine Lehrerin, die mir heute – so im Rückblick – leid tut. Denn sie machte ihren Job aus Leidenschaft. Sie liebte Musik. Sie liebte es, vertrackten Violinläufen bei Mozart zuzuhören, fror aus Empathie mit den gregorianischen Mönchen in ihren dünnen Kutten, die die beim Einsingen ihrer Chorstimmen getragen haben müssen, sie hielt sich zurück, um bei Hair nicht ihre Kleider von sich zu werfen und den sunshine in zu lassen.
Sie liebte es.

Wir waren ein Haufen desinteressierter Teenager. Der weibliche Teil las unter dem Tisch Bravo und Mädchen, der männliche Teil war gerade im Stimmbruch, stand entweder auf Modern Talking und Bros oder auf Iron Maiden und Metallica.
Und keiner, also wirklich keiner hatte Lust mitzusingen, wenn sie schon wieder ihre Lieblingsplatte The Concert In Central Park auflegte und mit uns Bridge Over Troubled Waters singen wollte.

Sie liebte es.

Wir ja nicht so.

2006-10-13-ps.gifDeswegen möchte ich den heutigen Tag zum Anlass nehmen, mich bei Paul Simon zu entschuldigen:
Paul, es tut mir leid. Inzwischen habe ich das The Concert In Central Park selbst, ich weiß Graceland mehr als nur zu würdigen und ich habe begriffen, was für wunderbare Musik Du damals geschrieben hast.
Happy Birthday, alter Junge.

7 Antworten zu “Still crazy after all these years”

  1. joerg sagt:

    Ähm, die Jungs standen auf Bros?

  2. Christian sagt:

    Ja. Manche. Es war eine harte Zeit …

  3. Tapedeck sagt:

    Hier *wink* Ich möchte den Musikunterricht (bis aufs Notenlernen – die kann ich heute noch nicht lesen ^^), war sogar nachher noch freiwillig inner schulband ;)

  4. Christian sagt:

    Naja, wenn wir eine Schulband gehabt hätten – das stimmt wohl. Das hätte was geändert …

  5. van sagt:

    ich.. mir wurden da so wunderschöne dinge gezeigt, zu denen ich anders nie zugang gefunden hätte.. bis.. na ja.. bis es dann an’s „sezieren“ ging.. warum wer wo irgendwelche dreisätze oder andere finessen wie moll oder whatever verwendet hätte.. ähnlich wie im literaturunterricht.. & weil ich nie das „heraus“-hörte oder – las, was ich hätte hören oder lesen sollte… verlor ich die lust..

    aber nie an simon & seinem garfunkel.. obwohl es megapeinlich war, so etwas zu mögen in einer zeit, in der duran duran, depeche mode oder the cure gefragt waren..

  6. Petra sagt:

    Ich mochte den Musikunterricht auch. Beide Lehrer, die ich am Gymnasium hatte, waren sehr engagiert und, ja, auch mit Liebe dabei. Ich war auch ein wenig genervt, wenn wir zum 1000sten Mal den Krebs der Umkehrung schreiben mussten, klar. Aber die beiden haben uns sehr viel nahe gebracht. Ich mochte es, Instrumente aus Stücken herauszuhören oder Partituren zu folgen. Ich war auch während der gesamten Zeit im Schulchor. Und das Concert im Centralpark aber ich freiwillig gehört, allerdings sehr gegen Ende der Schulzeit, und privat, nicht in der Schule. Wenn ich es recht überlege, war Musik eigentlich mein Lieblingsfach ;-)

  7. Christian sagt:

    Wow. Das ist ja mal schön, solche Geschichten zu hören.

    Ich muss ja – nachdem die Erinnerung sich ein bisschen verfestigte sagen, dass es am Ende der 10 auch eine Phase gab, wo es Spass gemacht hat.
    Wir haben Musikfilme analysiert und Chick Corea gehört. Da konnte ich auch mal was mit anfangen…

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