Stoppschilder in Schilda

Aus der Kategorie »just politics«

Wie ich letztens schon sagte: Beim Politcamp richtete jemand ? ich glaube, es war Volker Beck ? eine Bitte an die versammelte Netzgemeinde: Er sagte, ?wir? müssten mehr Bilder finden, die die anderen verstehen könnten.

Versuch eins. Neues aus Schilda.
Im Jahr 2009 hatte Schilda ein Problem: Ausländische Banden verschleppten im nahen Ausland junge Frauen, fuhren sie gegen ihren Willen in die Stadt und zwangen sie dann dort zur Prostitution.
In Schilda war man sich einig, dass das ein unhaltbarer Zustand war und dass man etwas unternehmen musste. Alle waren sich einig und im Rathaus man suchte angestrengt nach Ideen, was man tun könnte.
Zum Glück hatte man eine Liste der Wohnungen, in denen die Mädchen festgehalten wurden – und so hatte man schnell auch einen guten Plan: Man würde einfach vor die Türen der betroffenen Häuser ein Stoppschild stellen. Neben jedes Stoppschild würde man dann noch einen Busch pflanzen, in dem sich jeweils ein Polizist verstecken konnte.
Der Plan ging so: Wenn jetzt jemand so eine ins Land geschleppte Prostituierte besuchen wollte, dann würde er vor dem Stoppschild landen, dort kurz verharren und dann konnte ihn der Polizist aus dem Busch schnell festnehmen.
Ein toller Plan.

Dummerweise meldeten sich einige Kritiker zu Wort.
Ein paar merkten an, dass in den Häusern ja auch noch andere, unschuldige Bewohner lebten, die mit den Mädchenhändlern nichts zu tun hatten. Die würden sich ja dann bestimmt wundern, wenn sie keiner mehr besuchen käme. Auch diejenigen, die so jemand völlig harmlosen besuchen wollten und dann stante pede ins Gefängnis verfrachtet würden – die wären sicher auch nicht begeistert, merkte man an.
Andere bemängelten, dass es den Mädchenhändlern ein leichtes wäre, in eine andere Wohnung zu wechseln, wenn sie durch so ein großes Stoppschild vor der Tür gewarnt würden, dass ihre Wohnung ins Visier der Ermittler geraten war.
Und ein paar ganz dreiste Kritiker meinten sogar, man müsse doch statt der Stoppschilder einfach nur die Wohnungen aufsuchen und die Mädchenhändler festnehmen – wenn man schon die Adressen habe.
Und ein paar Kritiker zeigten grinsend auf die Rückseiten der Häuser, wo einladend die Terrassentüren offen standen.

Aber da man es in Schilda ja noch nie so mit den Kritikern hatte, bekamen alle, die ihre Stimme erhoben hatten einen Stempel mit dem Wort ?Russenfreier? auf die Stirn gedrückt – und jeder der so einen Stempel trug, der konnte dann schon sehen, was er davon hatte.
Danach wurden die Stoppschilder aufgestellt. Die Büsche hingegen wurden leider nicht mehr gepflanzt, denn inzwischen war ja Wahl gewesen und im Rathaus von Schilda hatte man wieder für fünf Jahre Ruhe.


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