Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

sunday paper

Höre ich doch gerade den Satz „Wie jetzt bekannt wurde, hatte sich der Vorfall bereits vorgestern ereignet“ im Radio. Fast empört wird er vorgetragen, warum hat die dumme Kuh nicht bereits vom Krankenbett aus eine Pressekonferenz gemacht und erzählt, wie sie den Beinah-Unfall glücklich überlebt hat.
Noch empörter war vor ein paar Tagen nur Frauke Cramer (oder war es Bettina Warnkross? Annemarie Ludowig? Egal.), die erst Tage später mit glücklich weicher Stimme gratulieren durfte, dass Heike Makatsch schon vor Wochen ein gesundes Kind zu Welt gebracht hat. Dabei lief ihr der Sabber aus den Mundwinkeln, weil sie wusste, dass ihre Paparazzi schon für die ersten Fotos auf den Bäumen vor Heikes Haus hingen.

Aber klar, der Inhalt, die Nachricht tritt in den Hintergrund, wenn Aktualität! alles ist.
Die Nachricht selbst war gar nicht so wichtig, eine Sportlerin war mit ihrem Gleitschirm weit nach oben getragen worden, konnte aber selbst heile landen und muss jetzt „nur“ wegen ihrer Erfrierungen behandelt werden, eine nette Boulevardmeldung, ein kleiner Moment des Schauderns, ein kleines „was es nicht alles gibt“ am frühen Morgen.

Aber nicht wichtig. Nicht so wichtig zum Beispiel, wie die permanente Weigerung der Autoindustrie, jetzt mal den Arsch hochzukriegen und nicht mehr 10l Verbrauch auf hundert Kilometer als technische Meisterleitung zu feiern, nachdem der 3l-Lupo wieder verschwunden ist.
Nicht so wichtig wie die Pläne eines nichts-verstehenden Ministers, die Privatsphäre aller Bürger systematisch auszuhöhlen.
Und natürlich nicht so wichtig wie der Freak in Amerika, der Hunger in Afrika oder die Überschwemmung in Jakarta.

Ja, ich weiss, we’re only human. Aber ich könnte trotzdem kotzen.

(Dieser Eintrag mag an manchen Stellen Spitzen enthalten, die als sprachliches Mittel meine Abscheu gegen eine gewisse Unterform des Journalismus zum Ausdruck bringen sollen. Genannte oder den genanten Personen ähnliche Personen sind natürlich nicht persönlich gemeint; es geht nicht um oder gegen ihre Person oder ihre journalistische Leistung. Die steh völlig außer Frage.)

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