The Chick Corea Elektric Band is Back on Tour!

Aus der Kategorie »just music«

Dieser Beitrag ist ein bisschen ein reminder für mich selbst. Ich versuche, ihn in eine halbwegs interessante Geschichte zu verpacken, ok?

Ja, ich weiß, beim Wörtchen „Jazz“ verziehen viele den Mund; ich weiß aber auch, dass jemand, der jetzt von woanders mitliest als früher, das nicht tut. Und alle anderen: Lesen Sie ruhig weiter.

Ein Freund, nahm mir damals – als Musik noch auf Cassetten ihre Runden machte – hinter die gewünchten LPs ans Ende der Cassettenseiten immer noch so lange was auf, bis die Seite voll war. Als ich zum Beispiel um Bryan Adams bat (den durfte man damals noch hören, ohne seine Credibility zu verlieren, jaja), fand ich dahinter ein hibbliges Stück Instrumentalmusik. Es war die Chick Corea Electric Band mit „Got a match“

Aha, das war also Jazz.

Jazz zu hören entwickelte sich damals bei ein paar Freunden und mir zu so etwas wie einem sophisticated hobby. Ich will nicht sagen, dass wir uns damit von dem Modern Talking hörenden Rest des Jahrgangs abheben wollten, dass wir fanden, wir wären etwas besseres, aber … ich denke, leider muss ich es genau so sagen. Es war so. Wir fühlten uns was besseres, sorry.
Wir versuchten, in der Teestube unsere Cassetten in die Stereoanlage zu bekommen, wir saßen in Gruppen im Bus und hörten auf schrebbeligen Walkman-Lautsprechern Musik und übten uns lautstark im „Wo ist die eins?“-Spielen. Wir ließen das so richtig raushängen. Ich nehme an, sie haben uns gehasst.

Vor allem, als der Freund es schaffte, dass unsere Musiklehrerin in der 10ten eben exakt meinen Cassettefüller als Thema für die nächste Unterrichtseinheit von ihm übernahm – ja, das war vermutlich der Höhepunkt. Mein Gott, müssen die uns alle gehasst haben.
Naja, als wir vorher mit ihnen Dirty Dancing gucken musten, haben wir sie auch nicht wirklich mit Liebe überschüttet.

Als wir dann zwei Jahre später auf Studienfahrt in London waren, hatten wir den Auftrag unserer Lehrerin, bitte einmal in dieser Woche ein kulturelles Event mitzunehmen. Wärend der Großteil der stumpfen Horde der anderen ohne weiteres Nachdenken Karten für „die Mausefalle“ kauften, durchblätterten wir die Zeitungen und suchten nach Konzerten, die wir in unserer Kleinstadt garantiert nie zu Gesicht bekommen würden.

Strike. Die Chick Corea Electric Band war in der Stadt. In der Royal Albert Hall.
Oh. Mein. Gott.

Ja, war sehr geil. Wir saßen zwar hinter der Bühne, aber die Band entdeckte uns da und spielte mindestens ein Drittel des Konzertes auch mit dem Gesicht nach hinten. Wir saßen als quasi in der ersten Reihe.

Chick, der schon mit Miles Davis das gemacht hatte, was viele als „Fusion“, also als Verbindung von Rock und Jazzmusik und damit unhörbaren hibbeligen Krach, der keinem erkennbaren Muster mehr folgt fürchten, hatte die Electrik Band gegründet, um eben genau das fortzuführen.
Geiler Scheiß.

Und jetzt, kaum 25 Jahre später, schaut nur, schaut nur! Schaut Euch den Trailer an und auch wenn die Musik nicht Eure ist – schaut nur wie viel Spaß die haben. Die müssen bittebittebitte auch nach Europa kommen. Schließt Ihr diesen Wunsch wohl bitte in Eure Abendgebete ein – Ihr würdet einen kleinen jawl sehr glücklich machen.


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