Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

They are the Tab Two, don’t you know they love you.

Irgendwann Mitte der Neunziger fuhr ich Auto (vermutlich durch Dortmund) und hörte Radio, das war das, was ich damals so tat.
Anfang des Jahrzehnts hatte das Label »Talking Loud« (ja genau: ein Label, die Jungs die heute die Klassenfeinde sind) eine neue Musikrichtung in die Welt hinaus geblasen, die mich – zusammen mit dem Krach der aus Seattle kam – für ein halbes Jahrzehnt glücklich machte: Den Acid Jazz. Gruppen wie Incognito, Galliano, die Young Disciples oder MC Solaar mischten Beats mit Jazz, HipHop mit anspruchsvoller Instrumentalmusik und überhaupt irgendwie alles was groovte und machten daraus extrem gut tanzbares Zeug, was mehr musikalischen Anspruch hatte als zum Beispiel der damals auch stark angesagt Eurodance. (Ok, das war nicht wirklich schwer, aber trotzdem)

Außer ein paar tapferen Galliern Fans in einem kleinen Wuppertaler Club guckten sich die Deutschen dieses Phänomen wie so oft nur verständnislos an und konterten einfach mit dem nächstem SnapHaddawayCaptainHollywood-Clone – das war das damalige »Wir machen das mit den Fähnchen«.

Nur in Ulm (oder um Ulm oder um Ulm herum) stießen ein alter Mann am Bass und ein junger Mann mit seiner Trompete beim Flippern aneinander und fanden Gefallen an der Idee, doch auch mal so einen groovigen Kram auszuprobieren.
Der Bassist war Hellmut Hattler, der zu dem Zeitpunkt für Kenner der deutschen Musikszene im allgemeinen und Fans des sogenannten »Krautrock« im besonderen mit seiner Gruppe Kraan sowieso schon lange ein Begriff war; der Trompeter war Joo Kraus, der auch vorher schon bei Kraan gespielt hatte.

Mir fielen die beiden, wie gesagt, zuerst im Autoradio auf, als der Moderator berichtete, die beiden hätten in Amerika (jaha!) ein Hit mit dem Lied »No Flagman ahead«.
Mir gefiel dieses Stück sofort sehr gut und über die nächsten Jahre vervollständigte ich meine Tab Two-CD-Sammlung und bekam glücklicherweise (da gabs ja noch kein Internet!) irgendwann mal ein Konzert mit. Da die beiden nur zu zweit nur mit einem kleinen Maschinen-Park als Band hinter sich auf der Bühne standen ein erst etwas skeptisch betrachtetes aber dann sehr geiles Erlebnis.
FunFact am Rande: Hellmut Hattler ist übrigens der einzige Bassist, von dem ich ein Bass-Lehrbuch habe.

So um 2000 herum kam dann irgendwie nix neues mehr von den beiden – dafür hatte ich da natürlich schon Internet und erfuhr, dass sie sich unter etwas ungeklärten Umständen getrennt hatten.

Gestern Abend wäre ich eigentlich in Bonn gewesen und hätte den beiden zugehört, denn sie sprechen wieder miteinander, sie haben ein paar neue Songs gemacht und ein paar alte remixed und sie stehen wieder zusammen auf der Bühne. Erst einmal nur für eine kleine nicht-Reunion-Tour, wie der Realist in mir sagt, aber ich hoffe natürlich auf mehr. Vor allem – der aufmerksamen Leserin wird es aufgefallen sein – weil ich den vorletzten Satz ja mit »wäre« und »hätte« formuliert habe.

Kosmar hat den beiden übrigens eine sehr hübsche neue Website gebaut: www.tabtwo.eu

Wo war ich? Ach ja: Aber die Liebste war da, fands gut und hat mir was mitgebracht.


Edit: Tab Two selbst fanden’s auch gut.

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