Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Veröffentlichung Ihrer Daten (eine „äusserst fragwürdige Webseite“)

Heute erhielt ich diese eMail:

Guten Tag!

Wir möchten Sie hiermit davon in Kenntnis setzen, dass wir aufgrund unserer journalistischen Tätigkeit die komplette Datenbank einer äusserst fragwürdigen Webseite zugespielt bekommen haben.

Auch IHR Datensatz ist hier enthalten (u.a. Klarname, Pseudonym, E-Mail-Adresse und Bank/-Adressdaten).
Die Datenbank wird aufgrund der journalistischen und rechtlichen Brisanz in den nächsten Tagen auf unserem Blog

http://antiabzockenet.blogspot.de

veröffentlicht.

Sollten Sie nun mit dem Gedanken spielen, rechtlichen Schritte gegen uns einzuleiten, lassen Sie sich gesagt sein: Dies ist mit unserem Partner Google abgesprochen. Sie werden es nicht verhindern können. Passend dazu empfehlen wir Ihnen vorab die Lektüre folgender URL:

https://support.google.com/blogger/answer/76315?hl=de

Wie Sie wissen arbeiten wir ehrenamtlich. Eine „Spende“ zur Unterstützung unserer Arbeit ist jederzeit willkommen. Bitte setzen Sie sich mit uns in Verbindung um über „individuelle Möglichkeiten“ für Sie zu sprechen.

Hochachtungssvoll
O. Forseti & Google Germany GmbH

—–
Verantwortlich für diese E-Mail:

[Adresse Google Deutschland]

Kurze Bemerkung für ganz eilige: Nein, diese Mail ist weder von Google noch von den Betreibern des genannten Blogs. Löscht sie einfach.

Jetzt bekomme ich natürlich wie vermutlich jeder andere auch täglich Spam- oder Phishing-Mails.
Die hier finde ich aber interessant genug, um mal kurz ein paar Worte zu verlieren.

Zuerst ging ich davon aus, dass es sich um einen relativ simplen Erpressungsversuch handeln würde – das Wörtchen „Spende“ ließ das vermuten. Die Veröffentlichung privater Daten im Zusammenhang mit einer „äusserst fragwürdigen Webseite“ ist etwas, was garantiert bei den meisten Empfängern dieser Mail die Alarmglocken schrillen lässt – denn das will ja niemand.
Gleichzeitig war es für mich aber das erste Indiz, dass die Mail nicht echt ist – die Formulierung ist einfach zu dumm.

Ein KLick auf die erste Adresse zeigte mir dann ein Blog, das offensiv gegen Abzocker und Abofallen im Web vorgeht. Warum sollten die geklaute Adressen veröffentlichen?

Der zweite Link führt zu einer Hilfe-Seite von Google, bei der man unter anderem auch unangemessene Blogs melden kann. Diesen Link habe ich beim ersten Lesen nicht verstanden.

Eine kleine Diskussion bei Facebook aber machte auch diesen Link schnell logisch. Denn wir waren uns dort alle recht schnell einig, dass der Zweck der Mail folgender ist:

  • Der Empfänger (also ich) bekommt einen Schreck. Jeder von uns war schon mal auf fragwürdigen Seiten aber die meisten von uns möchten, dass das niemand weiß.
  • Im nächsten Absatz soll mein Kampfeswille geweckt werden. Wenn mir jemand sagt, ich könne eh nichts dagegen machen, dann denke ich doch „jetzt erst Recht“ …
  • … vor allem, wenn mir mit dem nächsten Link so nett ein Werkzeug dazu an die Hand gegeben wird. Denn auf dieser Google Seite kann ich den vermeintlichen Absender der Mail ja melden. Ganz simpel mit zwei, drei KLicks.

Wir vermuteten also, dass es dem Absender genau darum ging. Vielleicht ist der Absender jemand, der in dem Anti-Abzocker-Blog schon einmal selbst als Täter aufgeführt wurde und der so dieses Blog aus dem Netz löschen möchte.

Fazit: Ziemlich raffiniert gemacht.

Ich empfehle ja inzwischen gerne die Website minikama, bei facebook auch unter dem schönen Namen Zuerst denken, dann klicken bekannt – dort findet man in den meisten Fällen Infos rund um solche und ähnliche Mails. Oder man kann dort nachfragen.
Und man hat immer! genug Zeit, sich kurz zu informieren, bevor man was blödes anklickt.

Darüber hinaus: Klickt nicht auf alles, was in der Mailbox oder im facebook-Stream landet. Denkt erst nach. Wer kein Konto bei der Sparkasse hat, der bekommt auch keine Mails von der Sparkasse. Es gibt keine Meerjungfrauen und niemand verschenkt iPads.

Und: Kommt runter. Jeder guckt mal fragwürdige Webseiten an. Jeder. Ich habe lange Jahre für Menschen Computer repariert und Daten gesichert – glaubt mir: Jeder. Ist ja auch ok, das Internet ist dafür gemacht.

8 Antworten zu “Veröffentlichung Ihrer Daten (eine „äusserst fragwürdige Webseite“)”

  1. stadtnarr sagt:

    Danke. Bei sowas krieg ich immer Schiss.

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