Vielen Dank für Deine eMail

Aus der Kategorie »just people«

Ich verstehe, dass Du diese PowerPoint-Präsentation die Du gerade bekommen hast sehr lustig fandest. Ist sie bestimmt auch. So lustig, dass Du sie sofort an alle Deine Bekannten (aka. „gesamtes Adressbuch“) weiterleiten wolltest. Verstehe ich.

Aber: Ich sitze jeden Tag am Web. Jeden. Jeden Tag zwischen zehn und fünfzehn Stunden. Oder mehr. Ich lebe „always on“. Die Chance, dass ich all die lustigen Bilder schon gesehen habe, die da jemand sorgsam in das am wenigsten geeignete Format zusammengestellt hat, diese Chance ist also sehr, sehr groß.

Apropos „groß“.
PowerPoint, wenn es von unkundigen bedient wird, hat die Eigenschaft, recht große Dateien zu produzieren. Natürlich habe ich – wie Du bestimmt schon ganz richtig vermutet hast – einen schnellen DSL-Anschluss, so das große eMails nicht mehr so ein Problem sind.
Da ich aber – wie gesagt – „always on“ bin, aber nicht den ganzen Tag an meinem Schreibtisch sitze, rufe ich eMails auch gerne mit meinem Handy oder über ein WLAN im nächsten McDonalds ab.
Da sind solche eMails schon wieder etwas anstrengender.

Apropos „anstrengend“.
Ich bekomme am Tag zwischen fünfzig und hundert Mails. Plus täglich mehrfache Lotto-Gewinnbenach­richtungen, Tipps, wie ich meine Geschlechtsorgane ins Unermessliche vegrößern kann, Tipps, wo ich am besten Geld anlege, Angebote, Uhren zu kaufen oder sogar vertrauliche Anfragen, Geld aus Nigeria hinaus zu transferieren. Und ein paar einige zig nie gewollte „Newsletter“.
Eine meiner Hauptaufgaben jeden Tag ist es also, gedanklich zu filtern. Innerhalb von Sekunden festzustellen, ob etwas unwichtig oder wichtig, privat, geschäftlich, von meinem Verein oder meiner Partei kommt, ob es jetzt!, jetzt, gleich, später, irgendwann einmal oder aber nie wichtig ist. Ob es archiviert werden muss oder aber beherzt sofort gelöscht werden kann.
Da wir beide ja befreundet sind bekommen Deine eMails da in der ersten Microsekunde einen Vertrauensvorschuss, der aber – wie Du vielleicht nach den schon genannten Punkten fast befürchtet hast – im nächsten Moment dann verpufft. Das ist doch schade. Ich könnte dann ja eventuell aus Versehen Deine nächste „echte“ eMail ungelesen löschen.

Apropos „befreundet“.
Wir beide kennen uns ja schon ein paar Tage. Ich habe auch ein paar Deiner anderen Freunde schon einmal kennen gelernt – aber: Ich kenne nicht Deinen ganzen Bekanntenkreis (aka. „gesamtes Adressbuch“). Und vielleicht hat das sogar an mancher Stelle auch gute Gründe, man weiß es ja nicht. Und deswegen möchte ich nicht, dass Deine ganzen Freunde und Bekannten als erstes von mir meine eMail-Adresse haben.

Du sagst, dass meine eMail-Adresse aber doch offen im Web steht? Ja, das ist die öffentliche. Menschen wie Du kennen eine andere Adresse, eine private. Die ist nicht Spam-verseucht und hat deswegen beim oben erwähnten gedanklichen Filtern ebenfalls einen Vertrauensvorschuss.
Wie Du vielleicht verstehen kannst, möchte ich nicht, dass diese private Adresse sich willkürlich verbreitet.

Außerdem sammeln viele eMail-Programm jede Adresse, derer sie habhaft werden können automatisch. Und wenn dann einer Deiner Bekannten demnächst eine PowerPoint-Präsentation auch lustig findet und sie an sein ganzes Adressbuch schickt, dann bekomme ich sie auch. Von einem mir unbekannten Menschen. Will ich das? Würdest Du das wollen?

Apopos „wollen“.
Falls Du das alles gar nicht lesen wolltest, Dir das alles schon wieder viel zu lang und zu kompliziert war und Du findest, ich soll mich nicht anstellen, dann kann ich das auch kürzer sagen:

Verschon mich mit Deinem PowerPoint-Scheiß und lerne endlich, BCC zu benutzen!


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

11 Reaktionen

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Am 22.11.2010 um 9:56 Uhr sagte Julia:

Man könnte glatt auf die Idee kommen, aus diesem Blog-Eintrag eine Power-Point-Präsentation zu machen, um sicherzugehen, dass sein Inhalt sich auch wirklich in den Weiten dieses Webs verbreitet. ;-)

Ich kann das auch kürzer sagen: Danke!


Am 22.11.2010 um 9:58 Uhr antwortete Jensen:

Mach ich! Was ist BCC?


Am 22.11.2010 um 10:12 Uhr ergänzte Christian:

nicht dein Ernst, oder? Warte, ich verlink das mal da oben im Text …


Am 22.11.2010 um 11:21 Uhr sagte Dentaku:

Ich fühle mit Dir (letzte Woche Einladung zur Weihnachtsfeier mit 113 offenen Adressaten (manche davon doppelt, zusätzlich noch alle@…-Listen) erhalten).


Am 22.11.2010 um 11:22 Uhr kommentierte Einmannblogger:

Darf ich diesen Beitrag unter meinen Antwort-Templates im ablegen und wiederverwerten?


Am 22.11.2010 um 11:50 Uhr schriebChristian:

aber definitiv darfst du das.


Am 22.11.2010 um 11:54 Uhr sagte Christian:

@Julia. Hm. Wenn es nicht so absurd wäre, wäre es tatsächlich eine gute Idee. *seufz*


Am 22.11.2010 um 13:52 Uhr sagte rebhuhn:

*g das thema ist bei mir auch immer wieder mal angesagt… gab schon tolle reibereien mit freunden, die mir dann sonstwas unterstellt haben ^^.

bei mir ist aber der grund, warum ich keine massenmails [= mails mit mehr als 1o offen sichtbaren empfängern] erhalten möchte, EGAL mit welchem inhalt, eher der, daß ich nicht noch mehr spam über irgendwelche kack-spambots erhalten möchte. und wer mir implizit mitteilen will, wer noch so alles kommt [beispiel geburtstagsparty], kann ja die empfänger nochmal unter die mail kopieren, in den text. und dann die @ löschen. mache ich auch so, notfalls.


Am 22.11.2010 um 14:40 Uhr schriebChristian:

ich fürchte, das Thema wir immer aktuell bleiben. Denn – seien wir ehrlich: Wenn man beginnt das Web zu nutzen, dann ist unter anderem das tolle, das es a) so viele lustige sachen gibt und dass man die b) so schnell an alle, alle, alle verschicken kann.
Dass alle, alle, alle die vielleicht schon kennen und auch heute schon dreimal bekommen haben lernt man ja erst später :)


Am 22.11.2010 um 15:14 Uhr antwortete Kiki:

Wunderbar, so ähnlich, nur nicht so höflich, habe ich letztens jemandem aus der Verwandschaft geantwortet, der mir doch tatsächlich die „Bill Gates verschenkt sein Geld“ Kettenmail schickte. (Kopf > Tischplatte).
Die Antwort war beleidigtes Schweigen. Beim nächsten Wiedersehen hiess es: „Warst Du aber schlecht gelaunt neulich!“ und ich habe dann ausführlich die Problematik erläutert: Daß mein Mailprogramm die Mail schon ganz richtig als Spam erkannt hatte, aber damit auch seine Adresse auf die schwarze Liste gesetzt hatte. Es wäre also durchaus möglich, daß ich künftige Mails von ihm gar nicht erst zu Gesicht bekommen würde, weil sie direkt im Papierkorb landeten. Und ob er das riskieren wolle, nicht nur bei mir sondern z.B. auch bei Kollegen. Wollte er nicht. Aber es war, ist und bleibt harte Arbeit, Medienkompetenz zu vermitteln.


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Auch anderswo wird darüber gesprochen …

[…] für dein email Hihi. Da habe ich vor ein paar Jahren mal ein bisschen gerantet und auf die Menschen geschimpft, die einem ungefragt den lustigen Müll in die Mailbox werfen. […]