Von der Liebe zu den Dingen

Aus der Kategorie »just work«

Wenn ich so zurück schaue, dann habe ich in den vergangenen Jahren so etwa einmal im Jahr hier irgendetwas am Layout geschraubt. Mal mehr – wie den Wechsel von schwarz zu weiß – mal weniger.
Aber einmal im Jahr musste es wohl sein, einmal im Jahr musste ich mein virtuelles Zuhause in die Hand nehmen, etwas abstauben und umdekorieren. Meistens ohne größeren Plan, wo es hingehen soll wird dann hier geschoben, da gerückt, wird dort etwas hinzugefügt und hier etwas weggenommen. So lange, bis ich dann eines Abends mein kleines Blog ansehe und zufrieden bin.

Als ich damals noch noch auf meinem Dorf festsaß, da haben wir – mein bester (und einziger) Freund dort und ich – viel Zeit gehabt. Da uns beiden früh klar war, dass der einzig gangbare Weg durchs Leben der als Musiker sein würde haben wir viel dieser freien Zeit damit verbracht, uns diese Zukunft so detailliert wie möglich auszumalen.
Unter anderem haben wir damals mit Hilfe eines Rockinger-Katalogs verschiedenste Instrumente zusammengestellt. Also, so in Gedanken und auf dem Papier – Geld für wöchentlich neue Instrumente hatten wir natürlich nicht.
Und die besten haben wir dann im Maßstab 1:1 gezeichnet.
Wir erkannten damals sämtliche Jahrgänge der großen beiden Fender und Gibson auf den ersten Blick und wussten sämtliche Außenmaße eines Floyd Rose Tremolos auswendig. Wir kannten die Vor- und Nachteile gängiger Hardware-Teile und wussten auch, zu welchem Zweck man ungewöhliche Lösungen favorisieren sollte.
Kurz: Wir waren Nerds. Gitarrennerds. Naja, wir hatten ja auch sonst nichts.

Manchmal lag ich stundenlang in meinem Zimmer und sah mir diese Gitarren an. Ich kannte ja jedes Teil an ihnen, hatte jedes bewusst ausgewählt; ich konnte mir ihr Gewicht am Schultergurt vorstellen und spürte, wie die Saiten unter meinen Fingern langsam warm wurden.
Ich liebte einfach was wir da taten und ich bin auch heute noch sicher – sie hätten gut geklungen, die Instrumente, die wir da so entworfen hatten.

Auch heute noch versuche ich wann immer es geht diese Liebe zu den Dingen die ich tue zu fühlen.
Webdesign ist eigentlich eine sehr logische Weiterführung dessen, was wir damals taten – alles was ich tue ist sehr, sehr virtuell und trotzdem muss ich ein Gefühl dafür haben, wie sich eine Website hinterher anfühlt. Wissenschaftler reden gerne vom Flow-Erlebnis, das man bei Benutzen einer gut gemachten Website erleben kann. Aber auch im weniger idealen Fall vermittelt die Benutzung einer Website irgendwie ein Gefühl.
Um das aber vorhersehen zu können braucht es oft Zeit. Zeit, die Dinge in die Hand nehmen und auch zwischendurch wieder beiseite zu legen. Zeit um dieses Gefühl entstehen zu lassen.
Zeit aber habe ich in dieser Zeit und diesem Job nicht oft.

Und so schaue ich mir hin und wieder mein jawl an, rücke hier oder da etwas zurecht, dekoriere ein wenig um – und dann setze ich mich hin – oft stundenlang und schaue es mir an.
Und dann weiß ich, dass es gut ist.
Bis in einem Jahr.


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Wer? Was? Warum?

Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

1 Reaktion

Am 27.01.2008 um 13:33 Uhr kommentierte Flummi:

Sehr schön be- und geschrieben, Christian. :)

Und wo wir schon mal beim Thema sind: Ich komme gern auf Dein jawl, fühl mich hier wohl, weil die Seite stimmig, harmonisch, erfrischend und angenehm ist.
Weitermachen! ;)


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