Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

VPN via hide.me – ein Erfahrungsbericht

Im Rahmen der „Christian macht sein Internet sicherer”-Wochen, nutze ich seit einigen Wochen einen VPN-Anbieter.

VPN – was issen das?
Erstmal: VPN bedeutet „Virtuelles privates Netzwerk (Virtual private network)” – schon praktisch, wenn die deutsche und die englische Abkürzung die gleichen Buchstaben enthält.
Ich vereinfache mal ein paar technische Zusammenhänge:
Gehe ich so wie üblich online, dann verbindet sich mein Laptop, Computer oder Handy mit einem Server meines Internet-Providers und von dort aus werden meine Anfragen ins Web geleitet. Egal ob meine Anfragen an amazon.de, an youTube oder youp0rn, an wikileaks oder an meinen E-Mail-Anbieter gehen.
Nutze ich ein VPN, geht jede Anfrage zuerst verschlüsselt ins VPN und erst dann von dort aus ins Web.
Man kann sich das VPN wie einen verschlüsselten Schlauch vorstellen – am einen Ende sitze ich und am anderen Ende des VPNs steht ein Rechner, der dann so tut, als wäre er ich. Und in den Schlauch kann keiner reingucken.

VPN – warum?
Gründe, ein VPN zu benutzen gibt es einige:

  • Bin ich unterwegs und nutze ein fremdes WLAN – ganz egal ob eines bei Starbucks oder eines z.B. bei Freunden – dann kann mit relativ wenig Aufwand jeder im gleichen WLAN mitlesen, was ich denn da gerade so im Web tue. Kann sehen, wo ich gerade surfe oder was in meinem Einkaufswagen liegt. Im schlimmsten Fall legt er noch was rein oder liest meine eMails und Passwörter. Er muss nur im gleichen Starbucks sitzen.
    Das ist mehr als lästig, das möchte ich nicht.
    Ein VPN verhindert das, da meine Daten verschlüsselt durch das VPN laufen.
  • Rufe ich eine Website auf, dann kann der Betreiber sehen, wo ich bin. Vielleicht, um mir Werbung einzublenden („heiße Girls in Menden wollen mit Dir chatten”), vielleicht aus anderen Gründen.
    Das kann praktisch sein, wenn ich gerade auf GoogleMaps bin, das kann aber auch lästig sein, vielleicht möchte ich das manchmal nicht.
    Das andere Ende eines VPNs kann irgendwo auf der Welt stehen. („hot girls in Florida are waiting for you!”)
  • youtubeRufe ich eine Website auf, kann der Betreiber bestimmte Inhalte speziell für mich bereitstellen, weil ich aus Menden komme. Oder weil ich aus Deutschland oder aus Europa komme. Oder er kann auch welche sperren, weil ich aus Menden, Deutschland oder Europa komme.
    Das kann lästig sein, vielleicht möchte ich manchmal fürs Internet kein Mendener sein. Oder kein Deutscher.
    Wie gesagt: Das andere Ende des VPNs kann überall stehen. Auch zum Beispiel in einem Land, wo sich Gema und YouTube nicht streiten.
  • Rufe ich eine Website auf, dann kann der Betreiber und jeder andere, der aus irgendwelchen Gründen an der Leitung lauscht sehen, welcher Internet-Zugang (also: meiner) welches Angebot benutzt.
    Wenn es Gründe gibt, dass ich das nicht möchte und viele Menschen zusammen mit mir das gleiche VPN nutzen, dann verschwinde ich in der Masse, weil der Website-Betreiber nur das öffentliche Ende des VPNs sieht.

Soweit, so prima.

Warum erst jetzt? Bislang gab es zwei Gründe für mich, kein VPN zu benutzen: Mir fehlte eine Empfehlung, welcher Anbieter denn wohl gut wäre. Und weil ich ja gar nicht so Nerd bin wie manche denkt, scheute ich auch die Einrichtung.

Dann las ich das sowieso durch und durch empfehlenswerte Buch Spurlos & Verschlüsselt!: Von sicherer Kommunikation und anonymem Surfen* und darin eine recht eindeutige Empfehlung für den Anbieter hide.me.

Einrichtung hideme (1)Ich guckte mich um und war erfreut. Abgesehen davon, dass alles, was ich hier erzähle dort noch einmal deutlich hübscher und besser erklärt ist, hat mich besonders die abolut idiotensichere Anleitung beeindruckt. Screenshots erklären Schritt für Schritt, wie ich am Mac, am iPhone oder auch am PC das VPN einrichte. Sehr schön.

hide.me bietet verschiedene Tarife und ich habe mich zum Testen erst einmal für die kostenlose Variante entschieden. Neben der einfachen Einrichtung ist für mich im Betrieb natürlich wichtig: Ist „mein” VPN gut erreichbar? Wenn ich jedesmal, wenn ich mich anmelden will erst 5 Minuten und 25 Versuche warten muss, ist das ganze wertlos – dann nutze ich es spätestens am dritten Tag nicht mehr.
Und: Ist es schnell oder merke ich Unterschiede zum normalen Surfen? Schluckt das VPN drei Viertel meiner Surfgeschwindigkeit, ist es ebenfalls praktisch unbrauchbar.

Aber: Mit beidem hatte ich absolut keine Probleme. Die Anmeldung klappte immer ohne jede Verzögerung und ich habe keinerlei Unterschied in der Geschwindigkeit bemerkt. Bestens also.

hide.me bietet eine lange Liste mit bis zu 20 verschiednen Serverstandorten (im freien Tarif nur 2) in den verschiedensten Ländern. Ich kann mir also bequem aussuchen, wo mein „Schlauch endet”.

Einrichtung hide-me (2)Auf der Website www.whoer.net kann man sehen, welche IP-Adresse man gerade hat und von wo aus man sich ins Internet eingewählt hat. Whoer sagt: Ich sitze im Moment in Seattle, USA. Da ich aber ziemlich sicher bin, hier auf meiner Couch zu sitzen, funktioniert also alles.
Dass ich gerade ohne Probleme Videos auf YouTube gucken kann, über deren Inhalte sich Gema und YouTube noch nicht einig sind, nehme ich als weiteres, auch ganz praktisches Indiz.

Alles zusammen bin ich also höchst zufrieden und habe mich dafür entschieden aus dem kostenlosen in einen höheren Tarif zu wechseln. Offenlegungs-Dings: Durch diesen Artikel bekomme ich von hide.me ein Jahr kostenlos.

Seattle?Frage zum Abschluss: Aber wenn man sich mit so einem VPN verstecken kann, dann kann man das doch auch missbrauchen? Ja, kann man. Leider. So wie man übrigens auch Messer, Baseball-Schläger oder die aus Krimis bekannten schweren stumpfen Gegenstände missbrauchen kann.

*)Affiliate-Link zu amazon.

4 Antworten zu “VPN via hide.me – ein Erfahrungsbericht”

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