Warum Blogs alle gleich aussehen und Deins nicht.

Aus der Kategorie »just people«

Ja, die Überschrift ist wieder etwas clickbaitig. Ich finde das ironisch, deswegen tu ichs.

Vor ein paar Tagen schrieb ich einen Artikel in dem ich beschrieb, wie die Kommerzialisierung von Weblogs geschah. Als jemand, der selbst vor fast 17 Jahren angefangen und nie aufgehört hat, der für 5 und für 10000 Menschen am Tag geschrieben hat und der in dieser Zeit die Blogszene immer aus großem persönlichen wie beruflichen Interesse im Blick hatte fühlte ich mich da kompetent genug.

Für meine – im Moment sehr bescheidenen – Verhältnisse ging der Artikel ziemlich steil.

Ich beschrieb also eine Entwicklung und ließ dabei – dafür ist das hier ja ein Blog – meinen Unmut über „den Werber“, der ohne eigene Leidenschaft versuchen muss, andere vor seinen Karren zu spannen nicht hinterm Berg. Ich erklärte, dass Blogs technisch gesehen nahezu 100% das sind was Google sich vom Web wünscht und dass sie exakt deswegen – nach einer anfänglichen Phase des Verhöhnens – für Werber interessant wurden.
Und ich schloß an, dass dadurch „Bloggen“ nach außen den Anschein erweckte, es könnte Fame und Geld auf einmal bringen. Dass das neue Menschen anzog, die es zum Beruf machten, gegen Geld etwas ins Netz zu schreiben und das eben auch „Bloggen“ zu nennen.

Was spannend war: Die Reaktionen auf meinen kleinen Artikel, die ich mitbekam, die ordnete diesen Artikel in die ebenso alte wie müßige Diskussion „Darf man mit Bloggen Geld verdienen?“ ein. Und bezogen entsprechend Stellung. Und mein Kopf so: Häh? Wo steht das?

Ich möchte deswegen etwas ergänzen. Ich möchte etwas ergänzen, denn ich habe heute Morgen bei Lina Mallon den perfekten Satz gefunden, den Satz, der beschreibt wen ich meine. Lina Mallon? Jemand, die von ihrem Blog lebt, soweit ich das weiß. Jemand, die als Bloggerin das Wort Contentplan selbstverständlicher ausspricht als ich in meinen Social Media-Schulungen. Jemand, die anscheinend mehr Kooperationen hat als ich Leser an einem Tag und vollständig damit ihr Geld verdient. (Nein, ich finde das nicht schlimm.) Jemand aber auch, die ich oft lese, weil dahinter mehr schimmert als ein sorgfältiger Content-Jahresplan. Leidenschaft nämlich, hatte ich das Gefühl. (Und deswegen lese ich Blogs)

Wie zur Bestätigung jetzt heute ein Artikel, dass sie eine Auszeit braucht, weil Social Media sie müde gemacht hat.

Und darin der perfekte Satz:

Heute sind die, die etwas am besten können die, die augenscheinlich die meisten Follower haben. Während sie nur genau das können. Follower haben.

Lina, unbekannterweise: Pass auf Dich auf.


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6 Reaktionen

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Am 07.12.2017 um 10:54 Uhr kommentierte Pia:

Amen, Bruder.


Am 07.12.2017 um 18:23 Uhr ergänzte Kiki:

Das ist sehr lustig, ich habe heute in meinem Onlinemarketingseminar das Thema Influencer durchgenommen und den Teilnehmern ein paar YouTuber, Blogger und Instagrammer vorgeführt. Eine Teilnehmerin ist selbst Influencerin bei Instagram und wir haben über Fake Likes, Werbekennzeichnung und gekaufte Follower gesprochen und ich hatte plötzlich den Flashback zu der Zeit in der Social Media Agentur, die mich so dermaßen traumatisiert hat, dass ich fortan beschloss, lieber als freie Illustratorin zu verhungern als noch einen einzigen Tag länger für Geld zu lügen. Meine Depression, die ich mir in dem Laden eingefangen habe, hat einige Jahre angedauert und erst seit kurzem kann ich überhaupt darüber nachdenken, geschweige denn sprechen, ohne den totalen, weißglühenden Hass auf die Geschäftsleitung dort zu empfinden und im Geiste „alles anzünden“ hinzuzufügen, wenn der Agenturname fällt.


Am 07.12.2017 um 20:24 Uhr antwortete Christian:

Da ist sehr lustig? Nein, das ist ziemlich unfassbar traurig. (Ja, ich weiss, wie Du das gemeint hast …)


Am 08.12.2017 um 10:38 Uhr meinte ClaudiaBerlin:

Zwar hatte dein Artikel eine andere „Zielgruppe“ auf die Anklagebank gesetzt, doch wundert es nicht, dass die Reaktionen die alte Diskussion über „mit Bloggen Geld verdienen“ wieder aufnahmen.

Wenn man diese Frage nun als entschieden ansieht (ja, man darf…eigene Entscheidung etc.), dann stellt sich dennoch die Folgefrage, ob es denn auf Dauer funktioniert, wenn man GANZ davon leben will/muss.

In den 90gern (ich blogge seit 1996) hatte ich noch die Vorstellung, das Optimum sei „die Einheit von Leben und Arbeiten“ – dass man also mit dem, was man am Liebsten tut, auch sein Geld verdient. Davon bin ich lange schon abgekommen, denn ich stellte fest, dass die Liebe zu einer freiwilligen Kreativarbeit schnell schwindet, wenn sie bestellt und terminiert ist. Das konnte ich sogar merken, ohne „Influencer“ im heutigen Sinn zu sein: Als mir mal wirklich Einkommen fehlte, bat ich meine Stammleser/innen, doch Blogposts zu sponsern. Es gab eine Wunschthemenliste, man konnte aber auch freie Vorschläge machen (hatte alles nix mit Produkten / Werbung zu tun). Hat geklappt, es kamen genug „Bestellungen“, um mein Finanztief zu überbrücken, doch war ich zu meinem eigenen Erstaunen sehr froh, als das vorbei bzw. nicht mehr nötig war.

Ich halte es für sehr schwierig, auf Dauer gleichzeitig authentisch zu bloggen und soviel „Kooperationen“ zu haben, dass es zum Leben reicht. Das liegt ganz einfach daran, dass das „Werbeträger sein“ für zu viele Produkte zwangsläufig unglaubwürdig macht. Wer konsumiert schon tatsächlich all diesen modischen Schnickschnack aus eigenem Antrieb?


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