Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Webdesigner vs. jemand, der »Webdesign kann«

Vielleicht tue ich ihnen unrecht, aber wahrscheinlich hat sich die Geschichte so oder zumindest sehr ähnlich zugetragen.

Die Firma »sollte auch ins Internet«. Der Sohn vom Buchhalter drängte seinen Vater schon lange und bot auch gleich an, das zu machen.
Seit er gesehen hatte, dass das neue Office die Funktion »als Website speichern« anbot hatte er schließlich schon ein paar Homepages gemacht angefangen.
Der Buchhalter drängte dann den Chef und irgendwann gab es einen Auftrag.

Sohnemann machte sich an die Arbeit.
Und weil er sich vorher ein bisschen umgehört hatte, versuchte er einfach mal einen ungeheuren, einen wahnsinnigen, einen ganz und gar unverschämten Preis zu bekommen. »Fast vierstellig für beide Sprachen, Alter, und die haben einfach ja gesagt! Dafür soll ich mich aber auch um Webspace kümmern, aber dahinten der Computerschrauber, der macht ja auch Webspace. Da kauf ich einfach mal 250 MB, da kann ich dann ja auch noch was von mir draufpacken, Geocities ist ja ständig down in letzter Zeit.«

Die Homepage wurde fertig und Sohnemann bekam Spass an der Sache. Er entdeckte ein paar Scriptarchive und fand heraus, was eine .htaccess-Datei ist. Die durfte er auf dem gekauften Webspace-Paket zwar nicht einsetzen, aber wenn man die Anfragen einfach auf seinen eigenen neuen Webspace umleitete konnte man Papis Firma auch noch einen geschützten Kundenbereich anbieten. Für »nochmal 500 Mark!«

Damit waren 4MB Webspace verbraucht und auf dem Rest konnte man in Ruhe die Homepage für die eigene Webdesign-Firma in Angriff nehmen. Und die für den Couterstrike-Clan. Und ein paar Surf-Filmchen speichern.

Die nächste Anfrage von Firma2 kam und wurde voller Elan in Angriff genommen. Auf www.papisfirma.de/vorschlag entstand schnell eine neue Website.
Aber irgendwie war der undankbare Kunde nicht so zufrieden, es entstand www.papisfirma/vorschlag2 aber dann kamen die Abiklausuren und dann erstmal Urlaub, Zivi und dann zum Studium ab nach Köln.
www.firma2.de zeigt »Hier entsteht eine neue Homepage. Bis Herbst 2002. Besuchen Sie uns also bald wieder!«.

fast vier Jahre später hatte sich Papis Firma überzeugen lassen, dass eine neue Website nicht nur angemessen, sondern längst überfällig sei. Der Preis, den der Webdesigner verlangte schien ein bisschen unverschämt, aber »wenn es bis zur Messe fertig ist: na gut. Und eine richtige Produktsuche wollen wir auch haben, das muß dann drin sein im Preis!«

Eine Stunde vor Messebeginn: Der Hoster war endlich überzegt, dass Domain und Webspace wirklich der Firma und nicht einem Kölner Studenten – der gerade seine Weihnachtsferien auf Malle verbrachte und das Handy abgestellt hatte – gehören.
Er rückte die FTP-Daten raus und der Webdesigner entdeckte die Reste der Geschichte.
Und versuchte parallel zum Messestart seinem Kunden zu erklären, dass die Produktdatenbank, die damals von Sohnemann eingerichtet worden war eben doch keine war, der Hoster sich aber beeilen wollte, eine MySQL-Datenbank zu installieren.

Die Site ist seit ein paar Monaten online und alle haben sich beruhigt.
Niemand hat mehr über den Preis des Webdesigners gesprochen.

Eine Antwort zu “Webdesigner vs. jemand, der »Webdesign kann«”

  1. Benni sagt:

    schöne Geschichte.

    Auch wenn ich mich eher zu „Sohnemann“ einkategorisieren würde, sooo unzuverlässig war ich nie. ;)

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