Wie klingt eigentlich eine Zeitung?

Aus der Kategorie »just people«

Das fragt sich im Moment die WP, die Westfalenpost; die Zeitung, die hier noch übrig geblieben ist. Eine Zeitlang gehörte sie zu „der Westen”, aber das hat sich auch alles wieder erledigt.

Die WP hätte gerne ein Soundlogo. Auf den ersten Blick weckt das ja Hoffnung, man könnte ja denken, dass sich dort ein Schritt in eine „crossmediale” Zukunft abzeichnet.

Jetzt ist ein Soundlogo eine nicht ganz einfache Sache. Denkt man an das sicherlich bekannteste Soundlogo, das Da-Da-Da-Di-Dam der Telekom oder aber auch an andere Sounds, die man im Werbefernsehen jeden Abend hört, dann weiß man: Soundlogos sind kurz, man hat ja nicht viel Zeit. Trotzdem müssen sie unglaublich prägnant sein. Sie sollten prägnant, einfach und unglaublich catchy sein, damit im besten Fall schon beim zweiten Hören ein Wiedererkennungseffekt auftritt. Das ist keine einfache Sache.

Ein klarer Fall also für einen Profi. Profis sind aber teuer.

Was also tun? Man könnte zum Beispiel einen Wettbewerb ausschreiben. Eine Mitmach-Aktion. Im günstigsten Fall machen dann da viele, viele Musiker, Bands, Produzenten mit und man hat hinterher eine nette Auswahl.
Man kann sich aussuchen, was man will und kürt einen Gewinner. Dem winkt man dann mit einem Gewinn, den man selbst locker aus der Portokasse abzweigen kann, der aber für unwissende supertoll klingt. Vielleicht tausend Euro! Hurra.

In den AGB, die liest ja eh keiner, versteckt man dann, dass der Gewinner für diese tausend Euro sämtliche Rechte an dem von ihm komponierten Logo abtritt.
Die Mitmach-Aktion-Veranstalter dürfen das Soundlogo wo und wann auch immer sie wollen abspielen, sie dürfen es weiter bearbeiten, sie dürfen es sogar weitergeben und sie sind auf immer und ewig die einzigen die das alles dürfen. Schicke Sache, so für tausend Euro. Glaubt mir: das ist ziemlich günstig.

Und Gewinner? Der Gewinner hat also eigentlich gar nicht so richtig gewonnen. Der hat sich hochprofessionelle Arbeit gemacht, hat ein besseres Taschengeld bekommen und sein Bild war in der Zeitung, in der morgen dann der Fisch eingewickelt wird.

Wer aber noch viel weniger gewonnen hat, das sind die anderen Mitmach-Aktion-Mitmacher. Die haben sich nämlich exakt so viel Arbeit gemacht wie der Gewinner. Sie bekommen diese Arbeit nur leider nicht bezahlt. Tja.

Ich glaube, wenn ich demnächst eine neue Küche haben möchte, dann schreibe ich auch einen Mitmach-Wettbewerb aus. Dann lasse ich mir einfach so viele Küchen planen und einbauen, bis mir eine richtig gut gefällt. Und dem Gewinner, dem stecke ich dann auch 1000,- zu und verspreche ihm, dass ich sein Bild ein halbes Jahr am Kühlschrank hängen lasse.

Schade, liebe WP. Meine Hoffnung ist ja nur, dass jemand, der für Arbeit nicht bezahlen möchte auch nur das bekommt, was er bezahlt.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

28 Reaktionen

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Am 21.02.2014 um 9:55 Uhr wusste Isabo:

Wie, alle Rechte abtreten – also auch auf die Urheberschaft verzichten, also nix von der GEMA kassieren für jedes Mal, wenn es abgespielt wird? Das wäre … krass.
(Ich kannte mal jemanden, der ein Radiojingle für einen Sprachkurs oder sowas komponiert hatte. Das lief jahrelang vor und nach jeder Sendung, zwischendurch in der Werbung für die Sendung, und er hat für jedes Mal Geld von der GEMA bekommen, das war eine schön konstante Einnahmequelle. Sowas kann ein Musiker sehr gut gebrauchen.)


Am 21.02.2014 um 10:03 Uhr antwortete Christian:

So etwas kompliziertes wie die Gema und wer die bekommt, das taucht in den AGB nicht auf. Entweder wenden Sie sich so klar an Profis, dass die sich selber kümmern sollen (was ich bei dem Geld kaum glaube) oder sie haben nicht dran gedacht.
Egal wie, das machts alles auch nicht besser.

(Man kann ja nicht auf sein Urheberrecht verzichten, auch wenn’s gerne suggeriert wird)


Am 21.02.2014 um 10:06 Uhr ergänzte Dentaku:

Im Gegensatz zum US-Copyright können in Deutschland Urheberrechte gar nicht abgegeben werden. Was die wahrscheinlich meinen ist, dass sie ein allumfassendes und übertragbares Nutzungsrecht eingeräumt haben wollen.
(Leider habe ich keine Ahnung, welchen Einfluss das auf die GEMA-Ausschüttungen hat, aber eigentlich dürften die immer an den Urherber gehen.)


Am 21.02.2014 um 10:49 Uhr kommentierte Isabo:

Das weiß ich, ich lebe ja selbst vom Urheberrecht.
Man kann allerdings definieren, ob es sich bei einer erbrachten Leistung um eine urheberrechtlich relevante Leistung handelt oder nicht. Das zeigt sich u.a. an der aufgeschlagenen Mehrwertsteuer. Auf Werbetext beispielsweise kommen 19%, damit ist das eine Dienstleistung, und der Kunde kann damit machen, was er will. Er kann es nach Belieben verändern und verwenden. Auf Literatur kommen 7%, das ist eine künstlerische Leistung, und das bedeutet, dass man bestimmte Reche hat. Zum Beispiel, dass der Urheber immer genannt werden muss (was etwa bei Werbetext nicht so ist), und dass man eben Ausschüttungen von der VG Wort bekommt.

Ja, GEMA und VG Wort und Bild usw. sollten immer an den Urheber gehen. Bei der VG gibt es gerade Theater, weil ein Teil an die Verlage ausgeschüttet wurde, und das ist nicht in Ordnung (finden die Urheber).
Für Werbetext bekommt allerdings niemand was, weil es eben keine urheberrechtlich relevante Leistung ist, und ich hatte nach Christians Artikel hier den Eindruck, das wäre hier auch der inkriminierte Punkt.
Weil, wenn man GEMA bekommt für so ein Jingle, dann kann sich das schon richtig lohnen, auch wenn 1000,- erstmal nach nicht so viel klingt. (Für mich klingt es allerdings auch nicht nach wenig, aber ich versteh nix davon.)

Aber was ganz anders: wofür braucht eine Zeitung ein Jingle? Machen die Radio- und Fernsehwerbung? Oder wo wollen sie das abspielen?


Am 21.02.2014 um 10:54 Uhr meinte Isabo:

… und um das noch anzufügen: dass man die *Nutzungsrechte* komplett abtritt, ist ja klar. Ist ja eine Auftragsarbeit für etwas, das dauerhaft benutzt werden soll.
(In Übersetzerverträgen sollen wir oft sogar im Voraus sämtliche Rechte für Nutzungsarten abtreten, die es noch gar nicht gibt. Das wurde in die Verträge geschrieben, als die E-Books aufkamen und man feststellte, dass die Rechte dafür nicht offiziell abgetreten worden waren. Meine Lieblingsformulierung ist, dass ich dem Verlag auch das Recht zur Übersetzung meiner Übersetzung in Mundarten einräume. Die Liste der Rechte, die ich abtrete, nimmt meist eine komplette Seite des Übersetzervertrags ein.)


Am 21.02.2014 um 11:02 Uhr ergänzte Christian:

Ich zitiere mal die AGB:

Jeder Teilnehmer stimmt der unentgeltlichen Nutzung und Veröffentlichung des Musikstücks (d.h. der Vervielfältigung und Verbreitung des Werkes in allen Medien, insbesondere im Radio, in Printmedien, im TV und im Internet) zu. Der Gewinner des Wettbewerbs überträgt dem Veranstalter das ausschließliche, zeitlich unbefristete und übertragbare Recht, das Werk in sämtlichen bekannten und unbekannten Nutzungsarten (insbesondere i. S. d. §§ 16 – 22 UrhG) zu nutzen, sowie das Recht das Werk zu bearbeiten oder mit anderen Werken zu verbinden (§ 23 UrhG). […] Mit der ausgelobten Siegprämie sind sämtliche Vergütungsansprüche des/der Teilnehmer(s) aus den Verwertung des Werkes gegenüber dem Veranstalter abgegolten.

Damit ist die Stoßrichtung klar, denke ich. ist auch klar, es soll ja eine Auftragsarbeit sein.

Und zu den 1000,-: Ein Tag in einem vernünftigen Tonstudio kostet zwischen ~500,- und 1000,- – womit man sich eine ungefähre Vorstellung über den lohnenden Einsatz von der notwenigen Technik / Manpower / Wissen machen kann.

Natürlich gibt es auch hier immer billigere Möglichkeiten, aber genau darum gehts doch auch irgendwie: Muss ich alles immer billiger machen? Muss ich Musiker, Produzenten, Komponisten gegen die ausspielen, die bei Papa versichert sind, sich mit Ferienarbeit einen Mac kaufen und dann „mit Garageband auch Produzenten sind“

(Gegen das Abtreten der Rechte hab ich nix. Ich hab was gegen schlechte Bezahlung und ich habe vor allem etwas gegen einen als Wettbewerb getarnten Pitch. )


Am 21.02.2014 um 11:09 Uhr schriebChristian:

Ach ja, Nachtrag:

wofür braucht eine Zeitung ein Jingle? Machen die Radio- und Fernsehwerbung? Oder wo wollen sie das abspielen?

Zum einen sind die ja auch online – und wir nöckern ja auch alle immer rum, die Zeitungen sollen sich vom reinen Print-Produkt wegbewegen – und zum anderen haben sie damit was für Radio/TV-Werbung. Außerdem sponsorn sie afaik immer wieder mal Events – da fällt einem schon der ein oider andere Verwendungszweck ein.
(Auch ein Grund, warum – Stichwort „Bezahlung von Verwertungsrechten“ die Summe nicht so dolle ist)


Am 21.02.2014 um 11:52 Uhr meinte Dentaku:

Wobei

Recht, das Werk in sämtlichen […] unbekannten Nutzungsarten […] zu nutzen

schon ganz großes Kino ist.


Am 21.02.2014 um 12:00 Uhr antwortete Christian:

Ich glaube die Formulierung ist entstanden, als vor vielen Jahren ganz viele Nutzungsverträge explodierten, weil auf einmal dieses Internet da war.


Am 23.02.2014 um 20:13 Uhr antwortete Isabo:

Genau. Willkommen in meiner Welt.


Am 24.02.2014 um 7:27 Uhr wusste Christian:

Ist das eine gute Welt? Sie sieht meiner ähnlich und ich würde gern aus (diesem Teil) meiner raus ..? Sonst komm’ doch mit :)


Am 24.02.2014 um 9:30 Uhr antwortete Desa:

Ich erinnere mich noch an Henkel, die haben eine Aktion mit den Spülmittel-Logos gemacht. (samt Mini-Shitstorm weil Logo mit Hühnchen und so…). McDonalds ebenso mit den Kunden-Burgern.
So etwas wird allenthalben gemacht und ist mehr ein Marketing-Gag und die Leute zum mitmachen zu bewegen. Vielleicht hat ja ein Amateur eine gute Idee und gewinnt, ich finde das halbdramtisch und im Sinne der Kundenbindung für eine Regionalzeitung sogar gut.


Am 24.02.2014 um 10:11 Uhr wusste Wilz:

Abzüglich Steuern und Sozialversicherungen ist das etwa ein Wochenlohn. In 30-40 Stunden sollte ein Profi so was hinbekommen. Wobei ja ausdrücklich erwähnt wird, dass keine Studioqualität erwartet wird. Und wer dem Wettbewerbsgedanken ablehnend gegenübersteht, der muss ja nicht teilnehmen.


Am 24.02.2014 um 11:33 Uhr sagte Jan:

Grundsätzlich ist es leider so wie hier beschrieben: Firma X möchte ein Logo/Soundlogo/Whatever, hat aber keinen Bock, sofort Profis dafür zu engagieren, weil die scheiße teuer sind. Des Rätsels Lösung? Ein Wettbewerb, dem Gewinner winkt genau das hier Beschriebene. Kohle und zehn Minuten Aufmerksamkeit. Schön einfach und billih für den Auftraggeber dann, das Logo/den Jingle ohne Profiqualität nochmal schnell professionell aufbereiten zu lassen.
Ich hab mal auf einer Hochzeit Fotos gemacht für einen Bekannten (an Silvester!). Was hat er sich gespart? 700 Euro, 800 Euro (mit Nachbearbeitung und allem natürlich). Was hab ich gekriegt? Einen feuchten Händedruck. In-your-face.


Am 24.02.2014 um 11:47 Uhr wusste llamaz:

Aber das ist ja dann auch Werbung für den Gewinner.


Am 24.02.2014 um 12:07 Uhr schriebChristian:

@Desa:
Erstens: Wird eine Aktion ganz allgemein dadurch in Ordnung, dass andere sich genauso mies verhalten?
Zweitens: Ja, für die Kundenbindung der Regionalzeitung ist das sicherlich gut. Deswegen denke ich ja auch darüber nach, ob das für Musiker und Produzenten gut ist. Und deswegen ärgere ich mich ja auch so, dass die Arbeitsleistung freier Künstler ausgenutzt werden soll.
Drittens: Warum werden die nicht belohnt, die sich Arbeit machen und deren Idee leider, leider der Jury nicht gefällt? Das hat wenig mit einem Wettbewerbsgedanken zu tun, das ist ein Pitch. Es gibt hier eine ganz wunderbare Seite, auf der man so ein Vorgehen mal in die uns allen bekannte Welt des Handwerks übersetzt hat.

@Wilz:
Hast Du oben gelesen, was ein Studiotag kostet? Das hat seinen Grund. Im übrigen komme ich bei einem halbwegs anständigen Stundensatz eines Freiberuflers nicht auf tausend, sondern auf ca. zweieinhalbtausend Euro. Und bevor jetzt hier jemand „Wucher“ oder ähnliches ruft empfehle ich die Lektüre dieses Artikels.

@ llamaz:
Ganz wunderbar, das kannte ich nocht nicht.


Am 24.02.2014 um 13:25 Uhr ergänzte greebo:

Nur der Vollständigkeit halber. Da das Urheberrecht nicht abtretbar ist, stimmt es nicht ganz, dass die WP mit dem Werk umgehen kann wie sie will. Der Verfasser hat natürlich immer das Recht, einer Verwendung zu widersprechen, wenn sie der ursprünglichen Intention des Werkes widerspricht. Das ist nicht ein unerheblicher Unterschied. Abgesehen davon wissen die Profis wie man sieht ja wie viel ihre Arbeit wert ist, und nehmen somit sicherlich nicht am Wettbewerb teil. Laien, die ggf. auch einfach schon was in der Schublade haben, daß sie sonst eh nie öffentlich gemacht hätten, dürften sich über die 1000 Öcken Taschengeld trotzdem freuen.


Am 24.02.2014 um 17:33 Uhr meinte Wilz:

@Christian

Den Teil mit dem Tonstudio hatte ich dir schon erklärt: Es wird ausdrücklich keine Studioqualität erwartet. Und wenn du für eine Woche Arbeit tausende von Euro erwartest, dann musst du nicht am Wettbewerb teilnehmen.

Übrigens: Wir haben 2014. Du musst nicht mehr für jeden Furz ins Studio. Mittlerweile gibt es viele Studiogeräte in passender Qualität als Software. Ich kann ja verstehen, dass du aus Gründen der Berufsehre dein Da-Da-Da-Di-Dam in einer 5-tägigen Studiosession in der Abbey Road aufnehmen möchtest, aber dann gehörst du eben nicht zur Zielgruppe des Wettbewerbs.


Am 24.02.2014 um 18:10 Uhr ergänzte Christian:

@ Wilz
Ich muss da eh nicht teilnehmen, weil ich kein Komponist bin.
„Pro Woche mehrere tausend Euro” zu rechnen ist übrigens eine sehr populistische Formulierung – aber Du hast den Artikel, den ich Dir verlinkt hatte bestimmt gelesen? – die nur dazu führt, das derjenige der es hört nicht weiter nachdenkt, sondern „Wucher” denkt. Freiberufler müssen in Monats- oder Jahressummen rechnen und dann ihre realen Arbeitsstunden dagegenrechnen. Wenn Sie eine Woche fest gebucht sind müssen sie zB andere Sachen absagen/schieben, können nicht akquieren usw. – das tun sie dann in der nächsten Woche, in der sie kein Geld verdienen.
So eine Rechnung ist zwingend notwendig, wenn man als Freiberufler etwas verdienen möchte, ohne sich selber bis über alle Grenzen auszubeuten – und exakt deswegen reagiere ich so auf den „Wettbewerb” – ich stehe einfach nicht drauf, wenn diese Ausbeutung immer weiter gesellschaftlich normalisiert wird.

Verdienst Du nicht gerne Geld für Deine Arbeit? Hast Du nicht gerne auch am Ende des Monats noch Geld für Toast und Milch?
Freie Texte und Grafiker zB in Deutschland verdienen zwischen 11.000,- und 16.000,- im Jahr. Und das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil daran, dass Preise immer weiter gedrückt worden sind.

Zweitens, ich sags gerne auch öfter: Pitch bleibt Pitch und ich frage Dich: Was haben die Menschen von diesem Wettbewerb, die sich ebenfalls die gleiche Arbeit gemacht haben und nicht bezahlt werden?

Drittens:
Ich sitze hier an einem halbwegs ausgestatteten Heimstudio und ich kann Dir versichern: Zwischen einem Mac mit Logic oder ähnlicher Software in einem Wohnzimmer und den Abbey Road-Studios sind noch ca. 193635 weitere Abstufungen.

Aber ich schrieb ja sinngemäß: Wer nur für Dreck bezahlt bekommt hoffentlich auch nur Dreck.

Meine Berufsehre ist übrigens verletzt, wenn jemand versucht so etwas mit Webworkern zu machen; es ist kein egoistisches Interesse, das mich zu diesem Artikel trieb. Es ist ein gesellschaftliches, vielleicht ein politisches.


Am 24.02.2014 um 21:02 Uhr sagte Lohengrin:

Sehr bedauerlich mit welcher Einstellung die Westfalenpost hier arbeitet, das Problem ist doch das eine Dienstleistung nicht mehr als solche betrachtet wird, man spricht von einem Ideenwettbewerb, soweit ok, aber eine Idee ist etwas wert und sollte wenn Sie weiterverwendet wird auch angemessen honoriert sein. Ganz zu schweigen von den vielen Beiträgen die gar nicht honoriert werden. Eine Komposition aber einfach so zu vereinnahmen und mit einer in meinen Augen zu niedrigen Einmalzahlung zu vergüten, ist für mich sehr grenzwertig.
Als Musiker bin ich immer wieder in der Situation, Menschen erklären zu müssen, warum unsere Leistung einen Preis hat, solche Wettbewerbe tragen nicht dazu bei, unsere Situation zu verbessern.
Der Gewinner mag ja mit dem Preis zufrieden sein, aber alle Anderen Teilnehmer gehen komplett leer aus, für eine fertige Leistung nicht nachvollziehbar.
Hinter dem Wettbewerb scheint ja eine andere Firma zu stecken die diesen Wettbewerb betreut, auf der FAQ Seite findet sich folgende email-Adresse: hilfe(at)socialvalue.de
Die Website der Firma habe ich mir kurz angeschaut:
Man setzt auf Talentwettbewerbe, man soll also mit den Kunden in Dialog treten um herauszufinden wofür das eigene Unternehmen steht. Die Leistung der Kunden ist anschliessend bares Geld wert………


Am 25.02.2014 um 14:04 Uhr ergänzte haddock0815:

diese art, andere günstig für sich arbeiten zu lassen ist doch heute normal.
und leider gibt es genug, die das machen; vielleicht auch, weil sie einen anderen job haben, der sie ernährt. zb in der fotografie… da lacht sich die BILD doch über den leserreporter schlapp, der pro bild (ich glaube) € 50,00 kassiert. mein gott, was hätte man da einem profi zahlen müssen….
oder hier:
fotowettbewerb zum thema „kölner lichter“:
Wichtiger Hinweis für Teilnehmer am Fotowettbewerb
Jeder Teilnehmer räumt dem Veranstalter die räumlich, zeitlich und inhaltlich unbeschränkten, nicht ausschließlichen Nuzungsrechte einschließlich dem Recht zur Bearbeitung an den eingesandeten Bilder für den RheinEnergie Fotowettbewerb, die Berichterstattung darüber (unabhängig davon, in welchen Medien, also u. a. Print und Online), die Öffentlichkeitsarbeit des und für den Fotowettbewerb (inkl. Preisverleihung), die Erstellung von Karten, Einladungen, Ausstellungen, Plakaten, Veranstaltungsprospekten und sonstiger Drucksachen sowie die Nutzung auf unserer Internetseite http://www.koelner-lichter.de ein.

knipst mal schön, am ende gibts für den gewinner ein i pad oder so und wir machen damit kalender, flyer usw…


Am 07.03.2014 um 20:20 Uhr schriebEtosha:

Sehr interessant, inklusive Diskussion. Danke für diese vielseitige Beleuchtung, und danke für den Lanzenbruch für Künstler und Fairness.


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