Wie man eine Filmfigur umbringt.

Aus der Kategorie »just TV«

Seit der Tele2-Werbung ist die Figur Stromberg für mich tot.
Und Christoph Maria Herbst nicht weit davon weg.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

2 Reaktionen

Am 20.07.2006 um 10:40 Uhr wusste Peter Neuhaus:

“ … ist die Figur Stromberg für mich tot.“

Da geht es mir ähnlich. Oder genauer: Die Figur braucht jetzt immer etwas mehr Zeit, mich erneut für sich einzunehmen. Das klappt zwar momentan noch stets auf Neue, jedoch liegt auch für mich ein Schatten auf Stromberg. Aber was für ein Schatten ist das eigentlich? Erste unvollständige Liste möglicher Fragen zur Klärung des Unbehagens:

JETZT ist Stromberg für mich tot?
Warum ist die Figur das nicht schon vorher? Dieses miese, charakterlose, windige Arschloch, diese Wetterfahne des Großbüros, dieser Vorgesetzte wie Dschinghis Khan kein Schlimmerer gewesen sein kann. Wieso war denn dieser Stromberg nicht schon vorher tot für mich? Weil ich ihn komisch finden? Was ist daran komisch? Weil ich auch gern so wäre wie er? Warum sollte ich? Weil er ständig auf die Fresse fällt und die Serie in ihrer Gesamtheit ohnehin nur ein Ziel haben kann: Die Entlassung, Auflösung, Ent-Sorgung des Stromberg?
Und wenn wir Stromberg die ganze Zeit schrecklich, arschriesig halten – und es im richtigen Leben nicht 20 Sekunden mit ihm in einem Raum aushalten mögen, geschweige denn, mit ihm ein Geschäft machen oder einen Vertrag abschließen wollen – warum wird er dann erst so richtig unsympathisch, wenn er Werbung macht und damit Geld verdient?

Stromberg arbeitet schwarz?
Wo sehen wir Stromberg eigentlich in diesen Spots? Doch nicht im Büro der Capitol-Lebensversicherung, oder? Die Musik und auch die Erscheinung der Figur lassen zwar zunächst darauf schließen. Doch scheint mir die Umgebung eher die des häuslichen Arbeitszimmers zu sein. Und richtet sich nicht Tele2 ohnehin an Freizeit-Telefon-Sparer? An die Geiz-ist-geil-Fraktion in jedem von uns kleinen Privatmenschen? Die wir den häuslichen Arbeitsraum von der Steuer absetzen wollen, obwohl wir nie dort arbeiten sondern hauptsächlich die Gästecouch drinstehen haben? Die wir eine Kilometerpauschale geltend machen, während unser Arbeitgeber uns die Bahnkarte zahlt? An echte Strombergs halt? Und gibt Stromberg den Nebenverdienst aus der Werbung eigentlich beim Finanzamt an?

Stromberg verkauft sich?
Wer, wenn nicht die chauvinistische und speichelleckerische Figur Stromberg sollte sich verkaufen? Zu niedersten Diensten verdingen? Je schmieriger, desto eher? Mir fällt niemand besseres ein. Von daher ist Strombergs Wechsel in die Telekommunikations-Werbung nur zu passend – und man muß sich beinah um Tele2 sorgen, dass sie sich ein dermaßen windiges Testimonial haben andrehen lassen.

Autor und Produzent und Schauspieler verkaufen sich?
Das tun sie. Verdienen Geld mit ihren kreativen Möglichkeiten. Haben gearbeitet, in Briefings gesessen, umgeschrieben, verworfen, entwickelt, Tiefschläge kassiert, Triumphe gefeiert, hart gearbeitet, Geld zusammenorganisiert, Piloten gedreht, undundund. Und jetzt verdienen sie Geld. Hmmmm. Was für eine böse Welt. Und dann noch Werbung für eine Telefonfirma, ein Unternehmen, das je per se der Achse des Bösen zuzurechnen ist. Dabei besteht ja die ganze Serie, das komplette Format, das Privatfernsehn insgesamt aus mehr oder weniger inhaltslosen Bild- und Tonschnipseln, die nur deshalb produziert werden, damit man sie zwischen den bezahlten Werbeblöcken ausstrahlen kann. Was also hat sich geändert, ausser, dass die Figur Stromberg jetzt häufiger, nämlich auch noch im Werbeblock, auftaucht?
Und was verkaufen Autor und Prodzent und Schauspieler da eigentlich? Etwas, das mir gehört? Integrität? Meine Liebe zur lustigen Fernsehfigur? Und was verkaufe im Vergleich ich jeden Tag, der ich in der Kommunikationsbranche arbeite, Altpapier herstelle, für Unternehmensziele arbeite die nicht meie eigenen sein müssen, damit Geld verdienen will?

Meine ich mit Stromberg eigentlich mich?
Ist es nicht schon eine vergleichsweise banale Weisheit, dass die Faszination all der fiesen miesen hinterfotzigen Flimmerfiguren darin liegt, dass ich in ihrer Betrachtung Teile von mir selbst ungestraft belachen darf? Und fühle ich mich nicht deswegen auch enttäuscht (sic!) von dieser Figur, weil sie im Werbespot über den abgegrenzten Rahmen des ihr eigenen Film-Bösen hinaus noch zusätzlich in der wirklichen Welt böse rumfuckelt? Und etwas äußert, was mich wirklich betrifft (Geiz ist geil! Ich will auch sparen!)? Und speist sich mein Unbehagen nicht auch daraus, dass ich alos plötzlich „in echt“ mit den eben noch befreiend belächelten miesen Teilen meiner Person konfrontiert? Nimmt sich Stromberg nicht einfach ein bißchen zuviel heraus, indem er aus der fiktiven in „meine“ real erfahrbare Welt tritt – und genau das gleiche Arschloch bleibt? Bin ich vielleicht sauer auf mich selbst?

Tja, soweit erstmal – hätte doch der Tag mehr Werbepausen, um Gedanken auch mal besser zu sortieren. ;-)


Am 24.07.2006 um 8:53 Uhr wusste Christian:

wow – erstmal Glückwunsch zum längsten Kommentar ever seen here ;-)

Stromberg scheint Dich ja zu beschäftigen.

Ich meinte das – glaube ich – viel kleiner – ich hab halt festgestellt, dass eine Fernsehserie da – soweit ich weiss nach amerikanischem Vorbild – eine Figur aufbaut. Keine sympathische Figur.
Eine Figur, die fasziniert, die polarisiert, die den Zuschauer mit einem gewissen Ekel (möchte ich hoffen) oder mit einem gewissen Identifikationsfaktor (fürchte ich) vor dem Bildschirm sitzen läßt.
Und dass der Aufbau dieser Figur durch die Tele2-Werbung für mich empfindlich gestört ist.

Kurzer Exkurs: Ich ertrage Stromberg nicht. Ich versuchs gelegentlich mal, aber ich kann mir selten eine Folge ganz angucken. Ich muss auch auf teranova bei den Sendungen über Spinnen wegschalten, so groß die Faszination des Ekels da auch sein mag.
Exkurs Ende.

Trotz dieses nicht-sehens kenne ich Stromberg (natürlich).
Ich habe mit Interesse beobachtet, wie die Figur bekannter wurde und zugehört, wenn Menschen darüber sprachen. Die wenigsten konnten sagen warum, aber viele fanden es spannend, zuzuschauen.
Und wenn es einen Grund gab, dann „weil der so heftig ist“
So heftig was? So heftig alle Regeln brechend? So heftig sich in den allertiefsten Niederungen unmenschlichen Seins suhlend? So heftig so, wie ich auch manchmal sein möchte?
Man weiss es nicht. Vielleicht will man es auch nicht wissen.

Stromberg tauchte bei openBC auf. Was hab ich gelacht.
Ich hab das als Marketing-Aktion genommen, als ein „wir transportieren Stromberg in die reale Welt“ und fand es klasse. Er war garantiert mein unsympathischster Kontakt.
Und war schnell wieder weg – wahrscheinlich dann doch einfach ein Jux.
Trotzdem fand ich die Idee spannend – eben weil sie die Figur anders als durch zB Werbung näher an mich heranbrachte.

Ich glaube, die Werbung hat das alles deswegen zerstört, weil Stromberg bis dahin anders war.
In diesem Pseudo-Doku-Style anders gedreht.
In der Boshaftigkeit neue Grenzen überschreitend.

Und dann Telefonwerbung.
Plonk, auf dem Boden angekommen. Keinen Mut mehr gehabt, anders weiterzumachen. Schnell noch Kohle mitgenommen.

Klar passt genau das zur Figur. Aber ich bin trotzdem enttäuscht.
Ja, ich bin so naiv, dass ich gelegentlich daran glaube, dass Menschen noch wenigstens ein bisschen mehr machen wollen, als nur das windschnittigst auf die werberelevante Zielgruppe ausgerichtete Programm. Nämlich etwas „anderes“ (da haben wir es wieder).

So wie man ja auch als Werbehure trotzdem versuchen kann, die Dinge gut zu machen, oder an der ein oder anderen Stelle auch noch mal etwas anderes zu machen.
Ein Weblog. Einen Theaterverein. Mal ein non-profit-Projekt. Mal einen Sitz im Ausschuss. Mal was ehrenamtliches. Mal ne Oma über die Strasse bringen.
Da fällt uns allen doch ne Menge ein.


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