Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Wir so – die so.

Ich habe heute Abend das erste Mal so richtig die Sendung mit dem Internet geschaut und mich auch beteiligt.
In „meinem Internet“ hatte ich vorher eher nichts gutes über die ersten Sendungen gelesen. Schlecht moderiert, banale Themen und fachlich natürlich unter aller Sau, so läst sich das grob zusammenfassen, was so kurz auf meinem Schirm aufblitzte.

Ehrlich gesagt, hat mich das aber nicht gewundert. Schon auf dem Politcamp hatte mich ja der tiefe Graben zwischen Netcommunity und „den anderen“ entsetzt. (Nein, ich rede nicht von „deren“ Dummheit und Beratungsresistenz, ich rede von „unserer“ Arroganz, die mich entsetzte.

Und so fürchtete ich, dass auch eine Radiosendung die sich an die Radio-Gesetze rund um 3-Minuten-Aufmerksamkeitsgrenze und regelmäßige Jingles und Nachrichten-Breaks halten muß auf netzverwöhnte Nerds fast anachronistisch wirken muß. Und natürlich auch entsprechend abgebasht wird.
Und gerade deswegen habe ich auch nicht so viel auf die Nörgelstimmen gegeben und mir selbst ein Bild gemacht.

Vorneweg: Ich persönlich ertrage Radio auch nicht mehr. Ich habe festgestellt, dass ich dieses Jahr noch kein Radio gehört habe. Ging nicht. Weichgespülte Musik und Pseudo-Nachrichten, die ich schon den Morgen davor im FeedReader hatte.

Aber ich bin damit nun einmal nicht typisch für den bundesdeutschen Durchschnittsbürger. Ich hänge ständig am Netz. Ich habe mir eine Medienkompetenz angeeignet, die mir erlaubt, von Radioprogrammen und den meisten Zeitungen oder dem Fernsehen relativ unabhängig und trotzdem – oder gerade deswegen? – gut informiert zu leben. Ich habe last.fm lang genug meinen Musikgeschmack gezeigt, dass ich jetzt dort permanent gute Musik hören kann. Aber die „Blase“, in der ich damit lebe ist nicht besonders groß. Das Gros der Deutschen lebt anders.

Und so schätze ich die Sendung mit dem Internet. Sie transportiert das Web und seine Möglichkeiten in die klassischen Medien. Sie verbindet Chat, Livestream und Radio.
Und das mag auf den einen unbeholfen wirken, weil er Franzi bisher nur aus den launigen „Franzis Früchte“-Filmchen kennt, das mag der andere peinlich finden, weil Herr Fiene den typischen Radiosprech zu perfekt drauf hat – aber das alles ist doch völlig egal.

Liebste „Blase“: Wir sind gar nicht die Zielgruppe. Also bitte versaut die Sendung nicht mit ach so coolen Kommentaren. Lästert nicht ab, wenn Ihr die Links, die vorgestellt werden natürlich schon seit letzter Woche kennt. Also vielleicht einfach mal die Fresse halten. Oder was konstruktives beitragen. Das geht nämlich. Ehrlich, ich habs ausprobiert.

Ich glaube, man kann aus dieser Sendung eine wirklich gute Plattform machen, „denen“ „unser“ Web zu zeigen. Und wir alle können mitmachen. Generation Mitmach, quasi. Nur in echt, live und mit Publikum von der anderen Seite des digital gap.

Und wenn ich einen Wunsch frei hätte: Ein Rückkanal für nicht-online-Zuhörer wäre schön. Eine Studio-Telefonnummer zum Beispiel. Oder hab ich das nur verpasst, als ich in Richtung „Fringe“ abgebogen bin?

4 Antworten zu “Wir so – die so.”

  1. Franziska sagt:

    Danke für das Feedback. Und die Telefonnummer gibt es sogar: 0211-9301010. Aber vielleicht sollten wir die öfter erwähnen ;)

  2. kaltmamsell sagt:

    Es gibt noch ein anderes Radio: Darf ich Deutschlandradio Kutur empfehlen? Werbefrei, jinglefrei, Information besteht hauptsächlich aus Hintergrund und Live-Interviews mit ganz oben, sehr wenig Musik – und die gerne mal abgefahren.

  3. Christian sagt:

    Ja, ich gestehe, ich habe auch etwas verallgemeinert. Es gibt WDR5, die sind auch deutlich anders. Und im Auto habe ich auch noch Funkhaus Europa und DLF abgespeichert – beide auch sehr erträglich auf langen Fahrten.

    Aber ich wollte ja Franzi und Fiene lobhudeln und nicht auch noch das Fass „Formatradio“ aufmachen …

  4. Rob sagt:

    Wenn mir vor 15 oder 20 Jahren jemand gesagt hätte, dass ich im Auto fast nur noch Deutschlandradio höre, den hätte ich für gaga gehalten…

    Das mit der Musik dort stimmt: man hört etwas und muss danach dringend ins Netz um herauszufinden, was das war.

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