Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Wir wir einmal die Pyramiden besuchten

Wir mussten mal raus.
Also sattelten packten wir den treuen Esel Audi und fuhren tief ins Sauerland.
Ausnahmsweise gab es dafür – wie wir glaubten – einen guten Grund: Die Liebste hatte auf der facebook-Fan-Page der Dr. Erika-Fuchs-Stiftung einen Hinweis auf die Duckomenta im Galileo-Park gesehen. Das sah jetzt nicht so doof aus, also fuhren wir hin.

Ein bisschen seltsam ist das ja schon, wenn man mitten in einem Tal mit Tannen-bewachsenen Hängen auf einmal vor ein paar Pyramiden steht, aber was solls? Wenn der Inhalt stimmt …

Zuerst erfreute uns das Männchen an der Kasse. Ich kaufte die zwei Karten und er fragte „Und uns interessiert ja immer, wo Sie denn herkommen?“

  • Ich: Wie? Wo wir herkommen?
  • Er: (Nachdenken) Ja, wo sie wechkommen!
  • Ich: (Fragendes Lächeln)
  • Er: Ja, wir hatten da einen Artikel in der Zeitung, rauf bis Arnsberg! Und Sie haben das bestimmt in der Zeitung gelesen, oder?
  • Ich: Ach so! Nee, nicht in der Zeitung, wir lesen keine Zeitung. Wir müssten da meine Frau fragen, die hat das entdeckt. Ich vermute allerdings im Internet
    (Auftritt der Liebsten)
    Wo hattest Du das noch gefunden?
  • Sie: (erzählt)
  • Er: (guckt leer) Ich schreib dann mal Zeitung.

Nun denn.
Wir also rein in die erste Pyramide. Dort befand sich die »Duckomenta«– genauer: Eine Sammlung von relativ lieblos nebeneinander gestellten und gehängten Kunstwerken, in denen das Motiv gegen einen der Entenhausener Bewohner ausgetauscht wurde. Nett anzusehen und an sich auch durchaus eine witzige Idee, aber wenn man zu wenig Raum hat und alles gedrängt und ohne auch nur das kleinste Bisschen an Führung oder Erklärung nebeneinander hängt auch nur noch so mittel.

Die zweite Pyramide: »Fossile Schätze aus der Grube Messel«
Genauer: Ein stockdunkler Raum, in dem diverse Vitrinen standen, in denen man sich die Fossilien ansehen konnte. Im Eingangsbereich hing ein großes Banner, auf dem erklärt war, was die Grube Messel ist und wie froh man ist, diese wertvolle Ausstellung jetzt in Münster sehen zu können. Münster?? Äh ja.
Fossilien sind ziemlich faszinierend, aber so ca. ab dem dritten Pferdchen, dem vierten Krokodil und dem fünften Vogel wurde dann auch dieser Raum eher uninteressant.
ProTipp: Wenn man nicht nur stumpf ein Ausstellungsstück neben das andere stellt, sondern dazwischen mal was ergänzt – vielleicht mal eine Erklärung, vieleicht eine Karte, mal ein Bild von den Ausgrabungen, mal ein Modell, wie die Knochen da denn wohl ausgesehen haben, als noch Fleisch dran war – dann bleibt das sicher länger spannend.

Die dritte Ausstellung: »Einhorn, Wolpertinger & Co.«
… wobei sich die Ausstellung zu gefühlt vier Fünftel um den Wolpertinger und sehr wenig um »und Co.« drehte. Ich fürchte sogar, für diese Sammlung wurde jedes bayrische Heimatmuseum ausgeräumt, um möglichst viele verschiedene inhatlich gleiche Versionen dieses Fabeltiers zu zeigen. Wenn man jetzt dummerweise nicht so auf bayrische Landeskultur steht auch nur so mittelinteressant. Wenn man durch einen total innovative Labyrinth-artigen Aufbau der Ausstellung dazu gezwungen wird, trotzdem alles(!) anzusehen auch eher doof.
Das Highlight waren also einzig die parallel zu uns staunenden Sauerländer Prolls: Die begriffen nämlich leider nicht, was ein Fabeltier ist und haben gestern jetzt wirklich gelernt, was in bayrischen Wäldern so abgeht.

Im Ausgang entdeckten wir dann bei dem obligatorischen Besuch im Museumsshop neben dem typischen Postkartenständern und Nagelkunst-Männchen noch ein fettes Regal mit Büchern und DVDs aus dem Kopp-Verlag – Ihr wisst schon, dem Verlag, in dem auch Eva Herman veröffentlicht. Wir lernten also anhand der ausgestellten Titel noch, das wir von der Politik, der Presse, den Wasserwerken bis hin zu Barack Obama von allen belogen werden. Ach guck.

Vorher hatten wir ja noch irgendwie nur den Verdacht, dass dieser etwas seltsame Park halt einfach jede Wanderausstellung einkauft, die nicht bei drei auf dem Baum ist. Danach hatten wir etwas Angst.

Ich hab dann trotzdem erstmal alle Bücher und DVDs dieses Verlags rumgedreht und wir sind gegangen. Aber irgendwie hatten wir auf dem Weg zum Auto auf einmal Angst, dass Tom Cruise hinter einem Baum hervorspringt und mit uns ein Auditing machen will.

2 Antworten zu “Wir wir einmal die Pyramiden besuchten”

  1. Hammwanich sagt:

    Hihi. Neugierig, wie ich bin, hab ich mal kurz gegoogelt und siehe: Deine Angst war gar nicht mal unbegründet. Dem Inhabet des lustigen Parks gehört auch ein Unternehmen für Bioresonanzgeräte, die wiederum immer mal wieder mit Scientology in Verbindung gebracht werden.

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