Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Hach ja, dieses Internet. Wir hier, also ich, der ich als Blogger-Urgestein sowieso unantastbar bin und Du, der Du ja auch aufs virtuoseste zwischen zig Browserfenstern, zwischen Desktop und mobile und Deinen vielen Social-Web-Profilen wechselst, wir kennen uns ja aus. Sind ja alte Hasen. Oder? Angenommen, Du bist älter als 25 (was ich vermuten kann wenn Du überhaupt hier dieses vollkommen altmodische Blog liest) – weißt Du dann, was die jungen Leute im Web tun? Also jetzt nicht die, die Frau Merkel „die jungen Leute” nennt (das sind ja wir), sondern die wirklich jungen Leute? Sind Dir vielleicht schon einmal Hashtags begegnet, mit denen Du absolut nichts anfangen konntest? Und? Ignoriert, oder? Ich auch.

Es gibt ja auch genug zu tun in diesem Web, man kann sich ja nicht um alles kümmern. Shoppen muss man zum Beispiel. Wir haben ja sonst keine Zeit – also keine Zeit, offline durch die Läden mit ihrer lächerlich begrenzten Auswahl und ihren fehlenden Vergleichsmöglichkeiten zu rennen. Obwohl man dort den Vorteil einer echten Beratung abseits von automatiserten Fake-Bewertungen bekommen könnte. Das jedenfalls könnte der letzte Vorteil dieser Läden sein denke ich, ein Vorteil, der sie vor dem Aussterben retten könnte. Dummerweise erlebe und lese ich zu oft anderes. Manchmal unterhaltsam aber schade.

Da war also jemand in einem Laden nahezu bürokratisch und das ist doof. Wobei es natürlich überhaupt nicht im geringsten an echte Bürokratie heranreicht. So wie die, die einem begegnet, wenn man arbeitslos ist. Arbeitslose Akademiker zum Beispiel könnten zum Beispiel … hmmmm, mal überlegen … hmmmmmmm, was ist denn total absurd … genau: Die könnnten mal googeln lernen. Weil ja klar ist, dass man das nicht von Heute auf Morgen lernt, plant man am besten ein halbes Jahr Zeit ein.

Der eine will also arbeiten und findet nichts; ist aber immerhin aus der Statistik raus. Für den ein oder anderen Politiker mag das – fürchte ich – schon reichen. Der andere arbeitet, arbeitet gerne, verdient damit auch Geld, darf aber wiederum dieses Geld nicht behalten. Also: Ein bisschen schon, aber zum Beispiel nicht so viel, dass er sich eine eigene Alterssicherung aufbauen könnte, auch wenns reichen würde. Gibts nicht? Klar gibts das, das ist gesetzlich so geregelt.

Die nächste wiederum arbeitet – manchmal in Amerika und manchmal in Deutschland. Und gelegentlich ist es ja gut, wenn jemand von außen einen Blick wirft, wir werden ja alle so schnell betriebsblind. Wenn so ein Maschinchen erstmal läuft, dann denken wir ja so schnell „alles prima” und dann tut so ein Blick von außen ja gut, dann zeigt sich ja oft noch Verbesserungspotential. Man könnte ja nutzen, wenn jemand das Arbeitsleben in Amerika und Deutschland kennt – und aus der vergleichenden Perspektive heraus mal auf Deutschland gucken. Ok, manchmal ist das vielleicht dann aber etwas schmerzhaft – wenn dann zum Beispiel jemand erklärt, warum sie auf keinen Fall dauerhaft in Deutschland arbeiten und leben möchte.

„Ja mein Gott, eine! angepisste Amerikanerin. Und überhaupt, haben wir denn keine echten Probleme, das sind doch bloß Einzelfälle. Die paar wenigen Deppen, die ihr da begegnet sind. Soll sich halt nicht so anstellen und ihren Mann stehen. Das ist überhaupt das Problem mit Euch Gutmenschen, das Ihr immer alles so hochsterilisiert. Alle sind immer frauenfeindlich, sind schlecht zu Tieren, sind ausländerfeindlich und ungerecht zu Behinderten und was weiß ich. Ach ja, seit ein paar Wochen ja auch noch antisemitisch, jetzt stellt Euch doch nicht so an, man wird doch wohl noch mal sagen dürfen!”

Na? Ist Dir gerade die Hutschnur hochgegangen? Schon fast ins Kommentarfeld gescrollt, um mal so richtig loszuranten? (Anmerkung für nicht regelmäßige Leserinnen: Natürlich war der letzte Absatz nicht meine Meinung sondern eine Sammlung der übelsten „Argumente”, die uns immer wieder so begegnen.) Aber mir geht es auch so, wenn ich so einen Müll lese, dann will ich mich sofort aufregen.
Aber: Schlaf erstmal ’ne Nacht drüber. Ehrlich. Übrigens triffst Du nicht nur im Internet am anderen Ende immer einen Menschen, das ist auch im RealLife so.
Liest man, was schon eine harmlose Frage an Hass nach sich zieht weiß man: Man kann da gar nicht oft genug dran erinnern.


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5 Reaktionen

Am 10.08.2014 um 22:17 Uhr antwortete Su:

Treffend.
Und: dennoch schön, jemandes Leid zu lesen, weil ich erkenne, dass wir am selben leiden und – zufällig bzw. eher nicht, sonst würden wir uns nicht lesen – dieselben „Kleinigkeiten“-aufreger- Internettexte lesen. Wie sagte Susan McPherson so schön: think 20seconds bevors you Tweet, Post or Blog about….
Wünschte ich im übertragenen jedem.
Man kann auch einfach mal telefonieren… ;)


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Treffend. Und: dennoch schön, jemandes Leid zu lesen, weil ich erkenne, dass wir am selben leiden und - zufällig bzw. eher nicht, sonst würden wir uns nicht lesen - dieselben "Kleinigkeiten"-aufreger- Internettexte lesen. Wie sagte Susan McPherson so schön: think 20seconds bevors you Tweet, Post or Blog about....Wünschte ich im übertragenen jedem. Man kann auch einfach mal telefonieren... ;)

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