Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Woanders

Kaum ein Jahr später mach ich mit dieser Reihe weiter, als wäre nichts passiert. Was ist unter guten Freunden schon ein Jahr?

Peter Gabriel sagte einmal in einem Interview sinngemäß etwas wie:„The problem begins, when we begin to tell apart »us« and »them«. And the smaller »us« gets, the bigger gets »them« and then it’s easy to live in fear.“
Traurigerweise sammeln sich dieser Tage ja die Beispiele dafür, dass es Menschen so verzweifelt wichtig ist, Unterschiede zu machen – meist, um sich abzuheben. Um vermeintlich etwas besseres zu sein.

Beginnen wir mit einer Computer und ihren Kolleginnen. Ja, der Satz ist richtig, oder sagen wir: Er war einmal richtig, denn die ersten Computer waren Frauen. Zu computen war nämlich Drecksarbeit und außerdem war Krieg, da kann man sogar einmal Frauen an die Arbeit bekommen. So muss es in den Köpfen der Herren damals wohl abgegangen sein – was sie aber nicht daran hinderte, die Frauen ganz fix beiseite zu schieben, als ihr kleines Projekt dann ein bisschen Ruhm abbekam. Die Rolle der Frauen war auf einen Schlag wie ausgelöscht. Nachträglich: Great job, meine Herren. Wie erbärmlich.

Springen wir ins Jetzt. Wir haben ja natürlich ein / natürlich kein Rassismus-Problem in Deutschland, je nach Sichtweise. Politiker und solche die es gerne wären sitzen allsonntäglich in den Talkshows und dürfen darüber sprechen. Möchten darüber bestimmen. Besetzen mit ihren wichtigen Sätzen die Deutungshoheit und die ist: Wir sind alle nicht rassisistisch hier in Deutschland. Es mag Einzelfälle geben. (Je nach Ausrichtung folgt dann ein „aber“). Ich finds ja immer ganz schön, mal nicht über Menschen zu reden, sondern mit ihnen, oder sie in anderer Form einfach mal selbst zu Wort kommen zu lassen. Sie erzählen zu lassen, wie sich die Hebamme gefreut hat, dass Kind aber gar nicht ganz so dunkel ist. Great job, gute Frau. Ziemlich erbärmlich.

Wen man auch mal gut zu Wort kommen lassen kann ist jemand, der Tag für Tag mit den Flüchtlingen, die im Moment nach Deutschland kommen zu tun hat. Also so richtig vor Ort mit Menschen, nicht nur in Form von Formularen und Statistiken. Und die auch mit den Menschen zu tun hat, die helfen wollen und sich trotzdem mal eine Frage stellen, sich aber nicht mehr trauen. Und auf einmal fügt sich ein großes Bild zusammen und der Rahmen heißt: Fehlende Auseinandersetzung. Fehlende Aufarbeitung. Tabuisierung statt Diskussion. Das gesamte Spektrum zwischen Unsicherheit über Angst bis hin zur offenen Feindseligkeit geht nicht davon weg, dass man Anne Jauch oder Maybritt Will und den Kameras fix erklärt, das nicht ist, was nicht sein soll.
Great job, Deutschland. So erbärmlich.

OffTopic: Besonders schön finde ich übrigens, dass die Hälfte der Kommentare unter dem zuletzt verlinkten Text die fehlenden Großbuchstaben und die zu kleine Schriftgröße zum Thema haben. Ich denke, es geht uns eigentlich ganz super.

7 Antworten zu “Woanders”

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