Woanders

Aus der Kategorie »just links«

Letzte Woche haben wir mit dem Thema „Flüchtlinge“ aufgehört, heute fangen wir damit an. Ob man das mit den ganzen Flüchtlingen noch gut fände, das ist so eine Frage, die ich auch schon gehört habe. Und irgendwie war die Frage so seltsam, dass ich sie gar nicht umfassend genug beantworten konnte – ich meine: Hallo? Ich finde die Musik von Tina Dico gut, den Milchreis in der Milchbar auf Norderney, sorgsam geschriebenes HTML auch, aber Flüchtlinge? Niemand soll flüchten müssen, nein! Fransziska, die GottSeiDank endlich wieder ins Internet schreibt hat die Frage auch gestellt bekommen und etwas ausführlicher darauf geantwortet. Und, um das vorweg zu nehmen: Nein, sie findet das mit den Flüchtlingen auch nicht gut.

Auf eine ganz andere Art und Weise nicht gut finden die Sache mit den Flüchtlingen auch die, die im Moment Abends auf den Straßen behaupten, sie seien das Volk und deren Angt in Hass umgeschlagen ist, den sie frei heraus schreien. Ich verstehe recht viel von Angst, aber ich verstehe nie, warum andere unter meiner Angst leiden sollten. Immer wieder frage ich mich, wie die Haltung hinter solch einem oben-unten-Denke ist. Nehmen wir mal an, ich akzeptierte, dass der Bessere bestimmt wie und wo es langgeht – woran mach ich denn dann fest, wer besser ist? Körperkraft? Geld? Intelligenz? Buchstabierfähigkeiten? Sorry, liebe Wutbürger, da schneide ich in mindestens drei von vier Kategorien besser ab als Ihr, und für die vierte kann ich kraften gehen. Darf ich dann jetzt bestimmen? (ich vermute mal, nicht). Auch Jens hat sich ähnliche Gedanken gemacht und stellt fest, es geht nicht um besser oder schlechter, es geht wohl nur um „ich”. Und zwar bitte oben, dann ist alles gut.

Apropos „ich“: Ich hab ja immer Recht. Logisch. Also, Du natürlich auch.
Ok, das war jetzt ein Spaß, wir sind ja alles aufgeklärte, kluge Menschen, die wissen, dass sie nichts wissen. Nur wenn es um alte oder neue Nazis geht, wenn es um Wutbürger und Kommentarspalten-Vollrotzer, um Verschwörungstheoretiker und CSU-Hardliner geht, dann wissen alle: Die sind halt einfach doof.
Gaaaanz dummerweise hilft das keinen Zentimeter weiter, denn wenn man mal hört, was die sagen, dann sind wir uns alle das erste Mal einig: Die anderen sind doof. Nur die Definition „der anderen“, die passt halt nicht übereinander. Naja, und ob man „die anderen“ jetzt ausweist oder auslacht, auch darüber müsste man sich noch einigen.
Sich aber damit wahrhaft auseinander zu setzen, dass man evtl selbst auch Fehler macht, dass man auch selbst in der Lage sein könnte, Böses zu tun, das ist schwer. Wäre aber mal dringend nötig. Je nach Veranlagung zeigt uns nämlich entweder die deutsche Geschichte oder das Lesen der Harry-Potter-Reihe: Das Böse zu tabuisieren ist nie gut – damit geben wir ihm Macht und Platz. Also: Er heisst nicht der-dessen-Name-nicht-genannt-werden-soll, er heißt Tom Riddle.

Es gibt, um jetzt mal zu anderen Themen zu kommen aber auch noch andere Gründe, nicht über Fehler zu sprechen. Zum Beispiel die Mitgliedschaft in Geheimbünden, die das Brechen des Schweigens mit Ausschluss bestraft. Gibts nicht mehr? Doch doch, so ein Geheimbund scheint zum Beispiel die Deutsche Bank zu sein, wenn man der ZEIT Glauben schenken darf – wobei ich persönlich fest davon überzeugt bin, dass nicht nur die Vorstandsetage dieser Bank sondern eher ein Großteil der Großkonzerte exakt so funktionieren. Was nichts, aber auch überhaupt nichts besser macht.

Mein Lieblingslied in der letzten Woche war „My Mirror“ von Tina Dico. Nach dem wunderbaren Abend mit ihr vor ein paar Wochen läuft sie wieder mal in Dauerschleife und wärmt mir das Seelchen.


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