Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Woanders

„Nicht für die Schule, sondern für das Leben lernen wir” – den Satz haben wir doch alle irgendwann mal gehört. Aber natürlich leben auch Lehrer – genau wie wir alle – in einer kleinen Blase, die mit der Realität (was auch immer das sein mag) nicht immer hundertprozentig übereinstimmt. Gleichzeitig haben Firmen entdeckt, dass man durch auf den ersten Blick gute Taten recht einfach ein bisschen der eigenen – also der gewünschten Firmenrealität – in die Schulen transportieren kann. Oder anders: Drei Viertel der größten deutschen Unternehmen erstellen und verbreiten eigene Unterrichtsmaterialien und die meisten Lehrer denken nicht darüber nach, dass man so etwas auch zu Lobby-Zwecken nutzen kann. Über so etwas zu sprechen gehört offensichtlich weder in die Ausbildung noch in den Schulalltag.

Apropos „drüber sprechen” – das würde ja in vielen Bereichen mal gut tun. Denn Tabuisierung vergrößert die Probleme. Immer. Oder, um es mit einem recht erfolgreichen Buch zu sagen: „Er heißt nicht »der, dessen Name nicht genannt wird«, er heißt Tom Riddle.”
Spricht man über Dinge, dann kann man sich ihnen stellen, dann kann man sie sich ansehen und sie verstehen und mit ihnen umgehen. Das gilt auch für weitaus komplexere und damit oft viel mehr tabuisierte Themen erst recht. Findet Antje Schrupp, sagt: „Beim eigenen Körper endet der Arm des Gesetzes” und spannt unter dieser Überschrift einen bemerkenswerten Bogen über eine ganze Reihe von Tabuthemen – von Abtreibung über Prostitution und Leihmutterschaft zu Suizid und Sterbehilfe.

Ein anderer Bogen, um mit diesen großen Themen umzugehen ist natürlich immer der Humor. Satire, Ironie oder Sarkasmus machen vieles aushaltbarer. Auch diese vielen Homosexuellen, die uns da neuerdings in unser Bett reinreden wollen. Aber glücklicherweise erkennen viele da jetzt Dank Sarrazin und Matussek ihren Irrtum.

Kommen wir zu angenehmeren Themen. Es ist zwar eine Binsenweisheit, dass das Alleinsein, oder besser noch: Das Allein-Unterwegs-Sein die Gedanken schärft, aber das macht ja nichts. Wenn dann ein Text darüber das gleiche Gefühl auslöst wie ein gutes Roadmovie, dann ist das schon einen Link wert.

Und wo wir bei Allgemeinplätzen sind, dann behaupte ich mal: Wenn wir die einfachen Dinge vergessen, wenn wir nicht mehr auf unseren Bauch hören, nur weil der Satz „Hör auf Deinen Bauch” ein solcher ist, dann hilft das am Ende auch keinem. Das wusste übrigens schon Till Eulenspiegel, als er den versammelten Schneidern erklärte, dass ein Knoten am Ende des Fadens eine praktische Sache ist. Und deswegen lohnt es auch, zum einhundertunddritten Mal zu lesen, was kreative Menschen so tun. Auch wenn der Titel etwas reißerisch ist.

Von „reißerisch” und „kreativ” zur Oscar-Verleihung ist es keine besonders weite, wenn auch – zugegeben – keine besonders einfallsreiche Überleitung. Trotzdem ist es ganz wunderbar zu lesen, wie es so ist, auf so einer Oscar-Feier. Also wenn man nicht A-, B- oder C-Promi, nicht nominiert oder sonstwie berühmt ist, sondern einfach nur ein ganz normales Mädchen.

Mein Lieblingslied der letzten Woche war Jamie Lidells „When I Come Back Around”

Eine Antwort zu “Woanders”

Mentions

»