Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Woanders

Zuerst kurz ein Wort in eigener Sache: Das jawl wird heute 13. Dreizehn Jahre, Alter. Hammer, oder?

„With great power comes great responsibility” – diesen Spiderman-Satz hatte ich ja hier letztens schon mal zu „Mit großer Reichweite kommt große Verantwortung” abgewandelt. Jetzt bedeutet „power” ja nicht nur „Kraft”, sondern auch „Macht” und genau die ist ja bekanntlich geil. Große Reichweite übrigens auch, das hängt schon alles zusammen: Wenn man zum Beispiel ein Blog schreibt, dann freut man sich, wenn man damit Menschen erreicht. Ist so, kann man kaum verleugnen. Und mehr Leser bedeutet mehr Freude.
Aber ist das vielleicht ein Teil des ewigen Problems zwischen Journalisten und dem Internet? Das fragt sich Antje Schrupp: Gewinnen wir Blogger durch das Netz an Reichweite und Macht – Journalisten verlieren sie aber? Klar, dass sie das nicht so töfte finden.

Abr noch mal zurück zur Reichweite, zur Macht und zur Verantwortung. Es ist verführerisch, seine eigene Reichweite (Erfolg/Geld) damit zu erhöhen, indem man einfach nur so so tut, als übernähme man Verantwortung. Ist ja auch bequemer, als es wirklich zu tun und als Leser oder Zuschauer muss man da manchmal etwas aufpassen. Stellen wir uns als Extrembeispiel mal vor, Mario Barth würde ein investigatives Magazin über Mißstände in Deutschland drehen. Oh, er tut das ja.

Aber wir Zuschauer sind ja nicht blöd. Oder? ODER? Nein, sind wir nicht. Obwohl es erschreckenderweise sowohl Programm-Macher als auch viele andere an den Schalthebeln der Reichweite denken. Der schöne Begriff „Schalthebel” suggeriert es ja schon, dass man dort schalten und walten und vielleicht auch manipulieren kann. Im PR und in diesem neuen Ding, diesem Social Web zum Beispiel noch mehr als im klassischen Journalismus. Kann man aber nicht, sagt Kerstin Hoffmann. Klappt nicht, hat keinen Erfolg, ist dumm. Und rät, es sein zu lassen.

Überhaupt dieses Social Web und die Firmen. Wer schon länger bloggt, twittert, dingst, für den sind das wirklich alles alte Weisheiten – so man in einem gerade mal 15 Jahre alten Medium von „alt” sprechen kann. Aber es strömen eben auch heute immer wieder Menschen, Marken, Firmen ins Web und werden von Beratern, die ebenso grün hinter den Ohren sind beraten. Oder die nur auf den schnellen, Excel-messbaren Erfolg aus sind und in vier Monaten eh woanders ihren Müll verkaufen. Wer wirklich dauerhaften Erfolg haben will, sollte das anders angehen, weiß auch Jens Scholz.

Aber mal weg von PR und so, da war ja schließlich noch mehr los in diesem Web. Zum Beispiel in den letzten Wochen ein erschreckender Ruck in rechtsmuffig-konservative Meinungen, die man längst für ausgestorben hielt. Letztens zum Beispiel noch ein Katzenbuchautor, der unser Land für grün-versifft hält. Nun denn, wissen wir alle, müssen wir nicht mehr drüber reden.
Aber was wollen diese Menschen eigentlich? Ist es Hass, der sie treibt? Angst? Wovor? Ix hat das mal sehr schön auseinander genommen.

Zum Abschluss aber mal was positives: Über die Jugend zu lamentieren ist so alt, dass es vermutlich schon in den Pyramiden Hieroglyphen über die unmögliche Moral der Jugend beim Steine-an-der-Pyramide-hochschieben zu lesen gibt. Diese eigentlich doch beruhigende Einsicht hindert aber die wenigsten daran zu finden, dass heute(!) die Jugend aber wirklich(!) schlimmer ist als es auszuhalten wäre. Nicht nur, abr auch in diesem Internet: Die sind zum Beispiel nicht mal mehr bei facebook. Da finde ich es schön ein Interview mit einer Autorin zu lesen, die im Vorwort ihres Buches erstmal feststellt „The kids are allright”. Und die dann diese unmögliche Abkehr von facebook mal erklärt und die vor allem mal guckt, was die allgemein verbreitete Abwehr von diesem komischen Jugendkram noch so für Folgen hat.

Mein Lieblingslied in der letzten Woche war „Faraway” von Joshua Redman:

8 Antworten zu “Woanders”

  1. Dentaku sagt:

    Herzlichen Glückwunsch zum Bloggeburtstag. Deins ist das Opablog.

  2. Ralphs sagt:

    13 Jahre, wie die Zeit vergeht! Aber mehr Leser bedeutet nicht immer mehr Freude. Aber Freude haben ist ohne Zweifel das Wichtigste am Bloggen. Dann kann ich getrost Gedanken über „Reichweite“ Anderen überlassen ;-)

  3. Christian sagt:

    Ja, da gebe ich Dir Recht, nicht immer bedeuten „mehr Leser” auch „mehr Freude”. Aber da oben führt das ja nur zum nächsten Link hin, während dieses Thema eigentlich einen eigenen Artikel verdient hätte.

  4. […] Die sta­bilste Inter­net­wäh­rung ist Rele­vanz Jens Scholz über die Wäh­run­gen Auf­merk­sam­keit, Rele­vanz und Enga­ge­ment. Sollte man sich mal durch­le­sen. (via Chris­tian Fischer) […]

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