Dies ist das archivierte jawl.


jawl bedeutet „just another Weblog“ und war vom 6.4.2001 bis zum 4.1.2018 das Blog von Christian Fischer. Das Blog wird nicht mehr weiter geschrieben, bleibt aber als Archiv online. ’cause: Don’t change a running URL ;)

Woanders

„Linke Kriminalität nimmt zu!”, so konnte man lesen. Als ein Mensch, der seine Werte auch eher links als rechts findet, irritierte mich diese Meldung des Bundesinnenministeriums. Schaut man genauer hin, ist das wieder mal nicht so besonders schön: Denn zum einen muss man schauen, was überhaupt eine „links motivierte” Straftat ist. Setzt man sich zum Beispiel mit ein paar flüchtigen Bekannten auf eine Straße weil auf dieser Straße eine Nazi-Demo laufen will, dann begegnet die Polizei dem gerne mit dem Versammlungsgesetz. Oder, wie es beim Kraftfuttermischwerk so schön steht: „Wenn Oma Müller nämlich auf einer Sitzblockade gegen Nazis weggetragen wird, zählt das hier als »von links motivierte Straftat«.”
Dazu kommt, dass unsere Justiz immer wieder in solchen Zusammenhängen klar eine politische Inspiration erkennen, am anderen Rand des Spektrums jedoch größere Probleme hat.

Wo wie gerade dabei sind mag ich übrigens einwerfen, das es sich unter ähnlichen Aspekten sehr lohnt, sich Statistiken über Ausländer- / Asylbewerber-Kriminalität gründlich anzusehen. Wie ich schon vor längerem mal schrieb, hat Deutschland ein beispiellos scharfes Asylgesetz, in dem zum Beispiel das Grundrecht der Freizügigkeit beschnitten wird. Asylbewerber begehen daher gern einmal Straftaten, die andere Menschen erst gar nicht begehen können; die fließen dann aber trotzdem in die Statistiken ein. (Äpfel, Birnen, bla).

Übrigens soll das noch verschärft werden. Ich würde mich an dieser Stelle gerne übergeben vor hilfloser Wut.

Apropos „Hilflose Wut”: Sascha Lobos Vortrag habt Ihr alle gesehen, oder? DemdiedasNufs ihre Antwort auch? Die Wahrheit liegt irgendwo in der Mitte, denke ich; Sascha hat gleichzeitig total Recht. Wer hier flattrt oder Werbung bucht, spendet damit ab sofort quasi an irgendeinen besseren Zweck als meine Geldbörse. Ich schreib das jeweils dran. Ja, da gibt es Zusammenhänge.
t3n hat übrigens ein paar digitale Initiativen zusammengestellt, falls Ihr auch wollt.

Aber wo wir schon bei der republica-Nachlese sind möchte ich noch kurz auf Jens verweisen, der einen, wie ich finde, unfassbar interessanten Vortrag über ein unfassbar brisantes Thema gebracht hat. Leider, (sorry lieber Jens!) wirkt er auf mich arg nervös (was ich verstehen kann) und die Brisanz des ganzen geht dadurch etwas unter. Was ich mag ist die Schlussfolgerung, selbst einen Gegenentwurf auf die Beine zu stellen.

Selbst etwas auf die Beine zu stellen ist ja eh oft eine gute Idee – auch wenn es einem an überraschenden Stellen schwer gemacht wird. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, Sie möchten den Kram, der bei Firmen tagtäglich weggeworfen wird (weil zum Beispiel, oh Graus, das Etikett schief sitzt) an Menschen verteilen, die sich die Sachen nicht leisten können. Ein wie ich finde ebenso logischer wie ehrenwerter Gedanke. Dem aber das deutsche Steuerrecht erstmal mit Karacho eine kräftige Latte zwischen die Beine wirft. Man schüttelt den Kopf und guckt ein bisschen blöd. Also ich.

Wo wir schon beim Spenden sind, wenden wir unseren Blick doch noch mal schnell in Richtung der klassischen Spendenziele, Sie wissen schon: traurige schwarze Kinder, die uns von schräg rechts unten mit großen Augen hungrig anguck…STOP. Erst gehen wir bei den rustyradiator-awards vorbei und gucken uns das launige Filmchen an.

Puh. Das war lots of heavy stuff bis hier her.
Hab ich doch letzte Woche noch behauptet, ich wollte hier schönes und gutes verlinken, um aus dem Web einen schöneren Ort zu machen.
Wie schön, dass ich da wenigstens noch auf Liebe und Salz verweisen kann. Ein kleines Projekt, was genau das tut: Geschichten sammeln. Geschichten aus dem Alltag, Geschichten von Paaren, garniert mit wunderhübschen Fotos. Und ohne Salz ist das Leben nicht süß. Und eine Beziehung auch nicht.

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