Wunderbare Überraschungen (Helgi und Synje)

Aus der Kategorie »just music«

Aufmerksame Leserinnen wissen, dass ich jede halbwegs erreichbare Möglichkeit nutze, um mir Tina Dico live anzusehen. Das ist immer unglaublich schön und darüber hinaus haben wir noch mehr wunderbare Musiker aus ihrem Umfeld kennen gelernt.

Samstag Abend fuhren wir also nicht zu Tina, sondern zu Helgi Jonsson. Helgi war Support, Posaunist, zweiter Gitarrist, Pianist und zweite Stimme bei Tinas letzten Konzerten. Seine eigene Musik ist schwer zu beschreiben, er mischt irgendwie Songwriter-Zeugs mit ganz eigenen nordischen Melodien – er kommt aus Island – er singt isländisch und englisch durcheinander und manchmal gleitet er in seine eigene Phantasiesprache ab, wenn die Laute besser zur Musik passen. Es ist immer alles etwas schwermütig, aber auch von einem seltsamen, ganz eigenen Humor durchsetzt.
Und seine Ansagen kommen dann überraschenderweise im breitetesten wienerisch daher, weil er dort studiert hat.
Außerdem ist er ein sehr sympathischer Kerl, ich hab nach einem der Konzerte im Frühjahr mal ein paar Worte mit ihm wechseln können.

Tina nennt ihn ihren »musical soulmate« und erzählte mal, dass sie so oft zusammen gesungen haben, dass sie manchmal nicht mehr weiß, wer gerade was singt. Sieht man ihnen zu, glaubt man das sofort.

Ein schönes Beispiel für seine Musik und das Zusammenspiel der beiden ist dieses Stück von Helgi, was im letzten … äh Sommer entstanden ist:

Helgi war also jetzt mit seiner eigenen Band und seinen eigenen Stücken auf kleiner Deutschland-Tour und wir fuhren nach Münster ins Gleis22. Jippie, wir wollten schon immer mal wieder in ein Jugendzentrum.

Das Gleis22 war dann aber ein sehr netter Club und Helgi spielte ein sehr geiles Set; deutlich lauter und rockiger als wir es aus seinen ich-und-meine-Gitarre-Auftritten im Vorprogramm von Tina kannten. Klasse wars.

Die Überraschung des Abends aber war das Vorprogramm. Auf unseren Karten – durchnummeriert, 007, 008, 009 – war kein Vorprogramm angekündigt und eine zufälige Pausenbekanntschaft wusste zu berichten, dass auch auf der Website des Gleis22 erst spät etwas stand.

Der Vorhang ging also auf und da stand Syje Norland. Und es ist natürlich total unqualifiziert, als erstes zu sagen, wie süß sie war, aber: Erster Eindruck: Wow, wie süß. I’m sorry, I’m just a man.
Zweiter Eindruck: Wow, was für eine Stimme. Irgendwo zwischen den guten Momenten von Tori Amos, etwas Kate Bush und ganz viel toll.
Begleitet wurde sie von einem Cellisten, der genau das tat, was man von einem Cellisten erhofft, wenn er als Teil eines Duos auf der Bühne steht: Er reizte sein Instrument sehr weit aus; er spielte gezupft, mit dem Bogen, mit der Faust, trommelte, strich oder spielte mit einem Sampler live irgendwelche mehrstimmigen Hintergrundathmos ein.

Auch die Songs waren abwechslungsreich und spannend und durchgängig toll und weit weg vom Mädchen-mit-Gitarre-auf-der-Bühne-Klischee; Highlight war für mich das unglaublich intensive »Ishmael«, in dem sie ihre Begegnung mit einem Kindersoldaten verarbeitete:

Ich habe dann tatsächlich zum zweiten Mal in meinem Leben um ein Autogramm gebeten, weil ich zum zweiten Mal von einem Menschen auf der Bühne so geflasht war, dass ich nicht anders konnte.

Hach. Deswegen gehe ich in kleine Clubs.


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Christian Fischer ist Webworker und schreibt bereits seit 2001 dieses Blog. Es geht um dies und das, Musik, Filme, Konzerte, das Leben allgemein und alles, was mir sonst noch so schreibenswert vorkommt. Hier findest Du eine Übersicht über alle Themen.

5 Reaktionen

Am 06.11.2011 um 12:26 Uhr meinte rebhuhn:

wir stehen auf die gleiche art stimme bei musikerinnen. danke für den syje-tipp!


Am 25.11.2011 um 9:36 Uhr sagte FrauLehmann:

Wow, Helgi gefällt mir sehr gut!!!


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wir stehen auf die gleiche art stimme bei musikerinnen. danke für den syje-tipp!
Wow, Helgi gefällt mir sehr gut!!!